Von Heiratsanträgen, Königreichen und Höhlen der Löwen – Highlights vom Handelskongress 2015

indexSmartphones und Tablets machen Konsumenten immer unabhängiger von Ladenöffnungszeiten und Schaufenstern. Mit rasantem Tempo ändern sich Konsum und Technik. Was treibt die Konsumenten 4.0 an und wie kann der Handel  über alle Kanäle hinweg Brücken zum Kunden schlagen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des diesjährigen Handelskongresses in Berlin mit über 1400 Teilnehmenden, der vom Handelsverband Deutschland (HDE) und Management Forum der Verlagsgruppe Handelsblatt ausgerichtet wurde.

frank2_schnitt_klein_passig_gemachtSpannend ging es bereits am Vorabend des Kongresses bei Microsoft “Unter den Linden” mit einem Heiratsantrag los. Frank Rehme, Geschäftsführer von gmvteam, fragte während seines Impuls-Vortrages, wer denn noch Single sei und bat um Handzeichen. Er holte eine Dame, die sich gemeldet hatte, auf die Bühne, schaute ihr in die Augen und begann sich zu beschreiben:  “Ich bin sehr toll, habe ein dickes Bankkonto, fahre einen schnellen Wagen… . Wollen Sie mich heiraten?”

Nach einem kurzen erstaunten  Zögern entschied sich die Dame für ein deutliches Nein. Womit Frank Rehme natürlich gerechnet hatte und so konnte er seine Botschaft verkünden: “Das, was Sie gerade gehört haben, machen wir im Handel nicht anders. Wir erzählen, wie toll wir sind, was wir alles bieten, Service, tolle Waren, zeigen uns von unserer besten Seite und wundern uns dann, dass wir nicht ausgewählt werden.”

Eine Initiative will nun neue Maßstäbe setzen mit einem Ort, an dem alle Innovationen rund um die Zukunft des Handels zusammenlaufen. Und diesen neuen Ort stellte Frank Rehme vor.

ZDE_Web_Logo“Langenfeld wird die Modellstadt für die innovative Zukunft des Handels und des Erlebnisraumes Innenstadt. Hier sollen die Rezepte entwickelt werden, die den stationären Handel auf seine zukünftige Rolle vorbereiten… Langenfeld bietet dazu beste Voraussetzungen: Eine engagierte und zukunftsoffene Händlerschaft, Schuldenfreiheit, eine innovative Politik und Verwaltung sowie loyale und engagierte Bürger. Man sieht sich dann zukünftig in Langenfeld: Dort findet Zukunft Stadt!” (Quelle)

Ein groß gedachtes, vielversprechendes Konzept, mit Kompetenz und Herzblut initiiert und ich bin sehr gespannt, wie es sich entwickeln wird.

022“Ein Königreich mit einem Klick” – so der Titel eines Vortrags von Alexander Birken, Konzern-Vorstand Multichannel bei der Otto Group. Die künftigen Königreiche seien nicht  Amerika oder Amazonien. Die wahren Könige sind die Kunden, denn ihre Zepter sind die Smartphones und Tablets.

“Wir werden zum Hofstaat der Kunden” resümierte Birken und es gilt, Treiber und nicht Getriebener der Digitalisierung zu sein. Wichtig sei es, die eigene Arbeitgebermarke auszubauen, ein Klima zu schaffen für begeisterte Talente, die gerne im Unternehmen arbeiten und mit innovativen Ideen den Wandel im Handel mit gestalten wollen.

Ein Thema, das auch in dem Praxisforum Unternehmenssteuerung und Filialmanagement von Norbert Pühringer aufgegriffen wurde. Er beschrieb ein Unternehmen, das sich auf die Vision ausrichtete: “Wir wollen in jeder Situation im Kundenkontakt einen Wow-Effekt erzielen.” Und ich dachte nur: Ja! Genau so! Mitarbeiter mit einbeziehen in die Unternehmensvision, diese sehr fokussiert beschreiben, mit den Mitarbeitern gemeinsam definieren, was darunter zu verstehen ist, damit alle dasselbe Verständnis darüber haben und dann loslegen!

Es sind im stationären wie im Online-Handel die Menschen, die den Unterschied machen. Die die richtigen Weichen stellen. Mit den richtigen Strategien. Und die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

jLhWGGg9So wie Markus Läbe von dinnery. Er begab sich gemeinsam mit seinem Partner Ricardo Diaz in die Höhle der Löwen und überzeugte mit seinem herausragenden Konzept: Gehobene Gastronomie als Postpaket nach Hause. Frisch zubereitet und gekühlt in Boxen geliefert müssen die Gerichte nur noch aufgewärmt werden. Erst kürzlich eröffnete er in Kooperation mit der Metro Group einen Store in Bremen, um zu testen, wie das Drei-Gänge-Menü stationär läuft.

Und genau darüber sprach er beim Handelskongress gemeinsam mit Dr. Oliver Breiden von Metro Properties. “Innovative Geschäftsidee groß denken – Kooperationen mit Mehrwert” war das Thema und es war bei der Vorstellung zu erleben, dass es sich um eine sehr wertschätzende, gute Zusammenarbeit handelt.

Eine faszinierende, erfolgsversprechende Idee und ich wollte noch mehr darüber erfahren. Also bat ich im Anschluss an den Kongress Markus Läbe um ein Interview:

140221_dinnery_full_001Welche Zutaten/Rezepte braucht es, um eine Marke wie dinnery zu gründen und zu etablieren?

Ein Esslöffel voller Ideen, einen ganzen Sack Ausdauer, eine Prise Beharrlichkeit, zwei Spritzer Glück. Nach dem Aufkochen das Ganze auffüllen mit viel Arbeit, konsequentem Qualitätsanspruch und dem richtigen Team:-).

Was waren Ihre fünf größten persönlichen Highlights von der Geburtsstunde der Idee bis heute?

  • Der erste Innovationspreis Bayern
  • Der gewonnene Internet World Business Award
  • Die Sendung Höhle der Löwen mit all ihren Konsequenzen und Auswirkungen
  • Die Kooperation mit der METRO und Ihren „Nebengeräuschen“
  • Einige Telefonate mit Kunden, die sich immer wieder bei uns melden und uns Mut und Ausdauer zusprechen. Die Idee mit dem Geschäftskonzept kommt aus völlig unterschiedlichen Gründen bei unseren Kunden sehr gut an. Das macht am Ende den meisten Spaß bei der Sache.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der Metro Group und wo liegt Ihrer beider Nutzen?

Wir wurden in einem ersten Schritt angesprochen, ob wir als Speaker bei einem Meetup der Innovationsabteilung der METRO dabei sein möchten. Durch diese erste Begegnung hat sich dann einiges entwickelt. Speziell die Kooperation bezüglich des Pop up Stores in Bremen kam durch den Internet World Business Preis zustande.

Der Nutzen für beide liegt auf der Hand. Der große Konzern kann mit neuen  und jungen Ideen sein Angebot frischer und bunter gestalten. Dieses schafft Attraktivität für den Kunden.

Das kleine Startup wiederum kann sich an stark frequentierten Plätzen prominent platzieren um die Präsenz und Marke zu stärken. So ergeben sich Synergien für beide Parteien.

Was bedeutet der Handelskongress für Sie persönlich und wie haben Sie ihn erlebt?

Der Kongress bietet eine Fülle an neuen Informationen bezüglich Trends und Entwicklungen was den Kunden und den zukünftigen Handel betrifft. Neben zahlreichen, sehr angenehmen Gesprächen die wir geführt haben, war und ist es für uns ein besonderes Kompliment, hier als Sprecher eingeladen worden zu sein.

Was sind Ihre Visionen für die Zukunft von dinnery?

Mit dinnery wollen wir einer der großen Anbieter im Food – Delivery – Service werden. Mit Qualität, Kontinuität und Wachstum ist es unser Ziel, eine starke Marke aufzubauen, die mit einem selbstverständlichen Nicken einhergeht …  „Ach ja, dinnery – Kenn´ ich. Was die liefern ist top.“

Und hier noch weitere Highlights vom Kongress:

Die Verleihung des Lifetime-Awards an den langjährigen Kaufhof-Chef und stellvertretenden HDE-Präsidenten Lovro Mandac, der sich mit Mut, Weitsicht, Beharrlichkeit und einer großen Portion Leidenschaft für das Warenhaus, lebendige Innenstädte und die Liberalisierung der Öffnungszeiten einsetzt, was am Abend mit langen Standing Ovations geehrt wurde.

Der Auftritt der Kanzlerin Angela Merkel, den die wenigsten erwartet hatten wegen der aktuellen angespannten politischen Situation und der deshalb um so wertschätzender von den Händlern empfunden wurde. “Ich möchte allen, die Handel treiben, allen in den Handelsunternehmen ein ganz herzliches Dankeschön sagen. Vielen Millionen Menschen wird es gerade in der kommenden Adventszeit wieder eine besondere Freude sein, bei Ihnen einzukaufen.” (Vollständige Rede)

Die Rede von Günther Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft, der den Appell sandte: “Investieren Sie in die digitale Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter”. Auch erzählte er von seinem Sohn “ZDF schaut er nicht freiwillig” und seiner Mutter, die einmal pro Woche zur Bank geht, um persönlich Geld abzuheben. “Was früher die Parkbank für unsere Großeltern war, ist heute für unsere Eltern die Volksbank.”

Die Moderation von Dunja Hayali, die souverän und schlagfertig durch das Programm führte. Beispielsweise bot sie Oettinger an, seinem Sohn zu erklären, dass es sich durchaus lohnt, ZDF zu schauen.

Die Podiumsdiskussion u.a. mit Renate Künast, die für Transparenz der Lieferketten warb: “Die Kunden wollen wissen, woher die Waren stammen” und  dem Marktforscher Jens Lönneker, der deutlich machte: “Der Handel sollte mehr so einen Psycho-Quatsch wie Sinn in den Fokus nehmen”. Was Dunja Hayali aufgriff und die möglichen Themen des nächsten Kongresses nannte: Werte und Sinn.

Und damit zum Schluss:

Danke an alle vor und hinter den Kulissen. Es war ein sehr inspirierender Handelskongress, gut organisiert, viele spannende Referenten, leider viel zu wenig Referentinnen (8 von 77, wobei die Kanzlerin und die Moderatorin hier mitgezählt sind).

Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Kongress mit dem Schwerpunkt Sinn und Werte und würde mir wünschen, dass hierbei auch ein Mitarbeiter-Thema ausgewählt wird: Worauf achten Talente heute bei der Suche nach Arbeitgebern? Wie werben Unternehmen glaubwürdig um die besten Talente?  Wie wichtig sind Sinn und Werte für Mitarbeiter und Kunden? Wie gelingt es, mit einer attraktiven Arbeitgebermarke nicht nur Mitarbeiter sondern auch Kunden zu begeistern? Dazu könnte ich sogar eine gute Referentin empfehlen:-).

Erinnern Sie sich noch an den Heiratsantrag von Frank Rheme? Eine Frage dazu treibt mich noch um: Was wäre eigentlich geschehen, wenn sie ihn angenommen hätte… .

Nach innen leben, was man nach außen verspricht – Interview mit Dr. Elke Frank von Microsoft

Wenn ein Unternehmen herrausragende Personalarbeit macht und damit eine riesige mediale Aufmerksamkeit erzielt, schlägt mein Herz immer ganz besonders aus. Die Rede ist von Microsoft und der neuen Betriebsvereinbarung zum Vertrauensarbeitsort. Ich wollte wissen, welche Menschen hinter den Ideen stehen und sie erfolgreich umsetzten. Und so saß ich im Publikum, als Dr. Elke Frank, Senior Director Human Resources und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland ihren Vortrag auf der Messe Zukunft Personal hielt.Dr. Elke Frank, Microsoft

Ihr Thema: Strategische Position des HR-Managers und die Funktion moderner Technologien in der neuen Welt des Arbeitens. Es war faszinierend, wie Elke Frank den Microsoft-Weg beschrieb und auf welch positive Resonanz sie damit im Publikum stieß. “Bei Ihnen möchte ich arbeiten” war ein spontanes Feedback auf diesen Vortrag. Ich wollte noch mehr wissen und bat sie um ein Interview. Und hier ist es:

In Ihrem Unternehmen spielt es künftig keine Rolle mehr, wo jemand arbeitet. Jeder entscheidet selbst, ob lieber im Büro oder woanders. Vertrauensarbeitsort heißt das Stichwort. Wie ist diese Idee entstanden?

Flexibles Arbeiten gehört bei Microsoft längst zum Alltag und wird von rund 90 Prozent unserer Mitarbeiter genutzt. Dabei sind die Modelle durchaus unterschiedlich, denn jeder Mitarbeiter entscheidet selbst, wo und wann er arbeitet. Bereits 1998 haben wir eine Betriebsvereinbarung zur „Vertrauensarbeitszeit“ eingeführt. Auch der „Vertrauensarbeitsort“ ist bei uns schon lange gelebte Praxis, nur gab es bisher keinen rechtlichen Rahmen dafür. Diesen haben wir mit unserer neuen Betriebsvereinbarung geschaffen.

Das Thema “Vertrauensarbeitsort” hat zu einer Flut von Veröffentlichungen in allen Medien geführt und ist ein riesiger PR-Erfolg. Manager Magazin, Bild, Focus, Computerwoche, Welt, Spiegel… alle haben darüber berichtet. Hat Sie dieser mediale Wirbel überrascht?

Es ging uns bei der Betriebsvereinbarung nie darum, einen medialen Wirbel zu entfachen. Im Mittelpunkt stand, mehr Klarheit für unsere Mitarbeiter mit Blick auf flexibles Arbeiten zu schaffen. Die Resonanz in der Öffentlichkeit war aber insofern nicht ganz überraschend, da es in Deutschland eine vergleichbare Vereinbarung bisher nicht gab und wir mit unserer Betriebsvereinbarung etwas völlig Neues geschaffen haben.

Sind die Auswirkungen dieser Veröffentlichungen bereits jetzt spürbar und messbar, beispielsweise durch die Schlangen an Bewerbern, die jetzt bei Microsoft arbeiten wollen?

Microsoft zählt schon seit Jahren zu einem der attraktivsten Arbeitgeber, was sich unter anderem in der Auszeichnung als „Deutschlands bester Arbeitgeber“ durch das Great Place to Work Institut bestätigt. Flexible Arbeitsmodelle spielen immer eine zentrale Rolle bei uns und wurden nicht erst mit der aktuellen Betriebsvereinbarung eingeführt. Dadurch sind wir auch schon lange für neue Talente ein sehr interessantes Unternehmen.

Gab es auch Resonanz Ihrer Kunden darauf und wenn ja, wie sah sie aus?

Zahlreiche andere Unternehmen – darunter auch viele unserer Kunden – fragen inzwischen bei uns an, um mehr über unsere Erfahrungen mit flexiblen Arbeitsmodellen und deren Umsetzung zu erfahren.

Und wie ist das Feedback aus den eigenen Reihen?

Die Rückmeldungen unserer Mitarbeiter auf die Betriebsvereinbarung sind durchweg positiv, denn wir klären damit viele offene Fragen zu den rechtlichen Grundlagen flexibler Arbeitsmodelle. Damit sich alle Interessen unserer Mitarbeiter in der Vereinbarung wiederfinden, haben wir sie gemeinsam mit dem Betriebsrat entwickelt.

Kunden, Mitarbeiter und Bewerber zu Fans machen – wie wichtig ist dabei die Klaviatur professioneller Öffentlichkeitsarbeit?

Eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit spielt beim Thema Employer Branding natürlich eine wichtige Rolle. Young Professionals und High Potentials müssen wissen, was Microsoft als Arbeitgeber so attraktiv macht. Uns ist dabei wichtig, dass wir Themen besetzen, die wir auch wirklich belegen können. Denn gerade in Zeiten sozialer Medien verlieren Unternehmen schnell an Glaubwürdigkeit, wenn sie ihre Außendarstellung nicht auch nach innen leben.

Wenn andere Unternehmen sich auch auf diesen New-Work-Weg aufmachen wollen – was sollten sie in jedem Fall tun und was in jedem Fall vermeiden?

Flexible Arbeitsmodelle lassen sich nicht von heute auf morgen nur mit der Einführung moderner Technologie umsetzen. Grundlage muss immer eine mitarbeiterorientierte und offene Unternehmenskultur sein. Dafür müssen sich Unternehmen von dem häufig noch vorherrschenden Kontrollzwang lösen und ihren Mitarbeiter Vertrauen schenken. Vor allem Vorgesetzte müssen umdenken, denn wenn Mitarbeiter immer häufiger flexibel und virtuell zusammenarbeiten, ändern sich die Anforderungen an gute Führung. Unternehmen und insbesondere die HR-Abteilungen müssen es sich zur Aufgabe machen, den Führungskräften durch Weiterbildungen und Coachings die nötige Unterstützung zu bieten. Für unsere Mitarbeiter haben wir dafür einen Leitfaden als Hilfestellung entwickelt, den sogenannten How-to-Guide.

Liebe Frau Dr. Frank, vielen Dank für das Interview, es war mir eine Freude!

Handwerkskoffer erfolgreicher Führung – Mitarbeiter binden

Sie kennen das: Sie kommen in ein Geschäft und spüren sofort: Hier ist ein gutes Betriebsklima. Die Mitarbeiter passen zum Unternehmen, sind engagiert und mit Freude in ihrem Job, fachkompetent und menschlich, arbeiten Hand in Hand und Sie als Kunde fühlen sich einfach wohl.

Was Sie jedoch hier merken, kommt nicht von ungefähr. Da spinnt jemand im Hintergrund die Fäden, wählt mit den richtigen Strategien die richtigen Talente aus und schafft ein Klima, in dem sich Mitarbeiter wohl fühlen und entfalten können.

„Führe andere so, wie du selbst geführt werden möchtest“ – was so einfach klingt, ist jedoch mit einigen Stolperfallen verbunden. Da kann ein Selbsttest schon einmal hilfreich sein:

  • Binde ich meine Mitarbeiter in die Ziele/die Vision des Geschäftes mit ein?
  • Lasse ich mein Team mit entscheiden?
  • Kontrolliere ich meine Mitarbeiter häufig?
  • Gebe ich ihnen Spielräume für Entscheidungen?
  • Beziehe ich meine Mitarbeiter bei der Auswahl neuer Kollegen mit ein?
  • Unterstütze ich individuelle Weiterbildungen?
  • Führe ich regelmäßige Mitarbeitergespräche?
  • Höre ich gut zu?
  • Bekomme ich Störungen im Team mit?
  • Vertraue ich meinem Team?
  • Informiere ich alle gleich?
  • Kommuniziere ich klar und wertschätzend?

Wenn man sich unsicher bei der Beantwortung dieser Fragen ist, kann eine gute Strategie auch die Einbindung des Teams sein. Zwei Ziele werden damit verknüpft: Erstens erhält der Fragende ein Feedback zu seinem eigenen Führungsverhalten und kann dadurch sehen, wie weit Selbst- und Fremdeinschätzung auseinander liegen. Und zweitens signalisiert er ins Team, dass deren Meinung wichtig ist und zählt. Hier lässt sich einfach, schnell und individuell ein Fragenkatalog zum Führungs, Arbeits- und Sozialverhalten erstellen und mit Schulnoten versehen, etwa zu den Fragen:

  • Werden Sie ausreichend durch Ihren Chef informiert?
  • Werden Sie offen und fair kritisiert?
  • Werden Sie ausreichend gelobt?
  • Hält er gegebene Versprechen ein?
  • Ist er gerecht?
  • Kann er eigene Fehler zugeben?
  • Kümmert er sich um das Wesentliche?
  • Ist er Neuem gegenüber aufgeschlossen?
  • Behandelt er alle gleich?
  • Hat er seine „Lieblinge“?
  • Kann er sich allen gegenüber gut durchsetzen?

Diese „Chefbeurteilung“ ist noch nicht weit verbreitet, die wenigsten Optiker stellen sich dem Feedback ihrer Mitarbeiter und ziehen auch die Konsequenzen daraus. Dabei könnte es so einfach sein und wäre in Richtung Mitarbeiterbindung ein wertvolles Signal. Die Antworten könnten dann auch im Mitarbeitergespräch mit einbezogen werden.

Apropo Mitarbeitergespräche: Auch diese sind bei Optikern noch nicht weit verbreitet. Dabei bringen regelmäßig durchgeführte und klar strukturierte Mitarbeitergespräche Struktur in Arbeitsläufe und optimieren die Zusammenarbeit. Themen wie Fachkönnen, Fertigkeiten, Arbeitstempo, Arbeitsplanung, Einsatzbereitschaft, Materialbehandlung, Fehlerhäufigkeit, Belastbarkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Umgangsformen, Erscheinungsbild, Teamverhalten, Hilfsbereitschaft oder Vertrauenswürdigkeit werden dabei unter die Lupe genommen.

Häufig findet dieses Feedback noch zwischen Tür und Angel statt, oft unklar und konjunktivisch formuliert und daher alles andere als zielführend: „Gestern warst du auch schon eine viertel Stunde zu spät“ oder „Geht das nicht ein bisschen schneller?“ oder „Weniger bunte Kleider würden dir sicherlich auch gut stehen“ oder „Hast du nicht gesehen, das dieser Kunde seit fünf Minuten auf Beratung wartet?“ oder  „Eigentlich müsstest du das mittlerweile wissen“ usw. .

Die Ziele regelmäßiger Mitarbeitergespräche liegen auf der Hand:

  • Austausch über Arbeitssituation und Rahmenbedingungen
  • Gemeinsame Festlegung von Arbeitsergebnissen durch Zielvereinbarungen
  • Festlegung von Fördermaßnahmen zur Zielerreichung
  • Verbesserung der Zusammenarbeit
  • Optimierung der Aufgabenverteilung, Arbeitsabläufe, Innenausstattung

Ein Optiker berichtete nach einem der Führungsseminare für die Rodenstock-Akademie, dass er sich selbst gewundert habe, wie einfach die Organisation und Durchführung von Mitarbeitergesprächen ist und dass seitdem das Miteinander deutlich besser geworden sei. Er achte verstärkt auf eine wertschätzende und klare Kommunikation, bezieht bei Entscheidungen sein Team viel stärker mit ein, wählt Formulierungen wie: „Sie sind also der Meinung, dass…“, „Sie sagten vorhin, dass…“, „Das halte ich für einen wichtigen Punkt…”, „Ich habe den Eindruck, dass…“, „Hilfreich für mich ist…“,  „Ich wünsche mir…“ „Wie schätzen Sie das… ein?“, „Wie ist Ihre Meinung dazu?“, „Welches Vorgehen wünschen Sie sich?“.

Ein weiteres Beispiel, wie es gelingt, Mitarbeiter zu binden: Ein Optiker sponsert seinen Mitarbeitern jedes Jahr einen Kurztrip in eine europäische Stadt. Einzige Auflage: Schauen Sie sich dort um und wenn Sie irgendetwas finden, was auch eine Idee für unseren Laden sein könnte, machen Sie ein Foto, schreiben Sie es auf und bringen es mit.

Natürlich kostet das Geld, aber was Sie dafür bekommen, ist schlicht mit Geld nicht zu bezahlen. Das ist Mitarbeiterbindung und Mitarbeitermotivation in einem.

Mit einfachen Mitteln lässt sich vieles richtig machen. Vermeiden Sie Fehler wie Misstrauen, die Sucht, alles selbst zu bestimmen, mangelndes Vertrauen in andere, fehlende Delegationsbereitschaft, Entscheidungsschwäche, Zulassen von Intrigen, Selbstbeweihräucherung, Besserwisserei und Unberechenbarkeit.

Beachten Sie stattdessen folgende Motivationsfaktoren:

  • Dem Mitarbeiter das „Warum“ der Aufgabe erklären
  • Keine Versprechungen machen, die nicht gehalten werden
  • Den Mitarbeiter fordern und seiner Eigenart entsprechend fördern
  • Anerkennung und Lob aussprechen
  • Mitarbeiter durch angemessene Kritik fördern
  • Nie verletzende Kontrollen durchführen
  • Kritik immer nur unter vier Augen
  • Nie pauschale vorschnelle Urteile fällen
  • Mit der Arbeit auch Entscheidungsverantwortung delegieren
  • Mitarbeiter umfassend informieren
  • Gerechtes Gehalt gewährleisten
  • Mitarbeitergespräche und Chefbeurteilung durchführen
  • Für gutes Betriebsklima sorgen
  • Vorbildfunktion ernst nehmen

Der Weg zum Kunden führt über Ihre Mitarbeiter. Wenn sie sich wohl und wertgeschätzt, gefordert und gefördert fühlen, dann steht einer guten Unternehmenskultur nichts mehr im Wege. Oder, um es mit Robert Waterman zu sagen:

“Geben Sie Ihren Mitarbeitern Arbeit,

bei der sie ihre Fähigkeiten voll ausschöpfen müssen.

Geben Sie ihnen alle notwendigen Informationen.

Erläutern Sie ihnen klipp und klar, was es zu erreichen gilt.

Und dann – lassen Sie sie in Ruhe.”

(Diesen  Artikel Erfolgreiche Führung Focus schrieb ich für “Focus”, das Fachmagazin für Optiker. Die Inhalte lassen sich jedoch auch auf jede andere Branche übertragen.)

Vom Hamsterrad zum Fels in der Brandung – Interview mit Bodo Janssen von Upstalsboom

Bodo Janssen 1_Foto Stephan Rudolph-Kramer“Auf Sie freue ich mich ganz besonders” war mein spontaner Ausruf, als ich Bodo Janssen, Geschäftsführer von Upstalsboom am Registrierungscounter des Humanomic-Kongresses am 24.09.2014 in den Balloni-Hallen in Köln traf.  Ich hatte schon so viel über sein Unternehmen gehört, gesehen und darüber geredet, ohne den Menschen dahinter persönlich zu kennen. Und als ich dann erfuhr, dass er der Einladung zum Kongress von pme Familienservice gefolgt war, dachte ich: “Nichts wie hin nach Köln und ihn für ein Interview gewinnen.”

Hier ist es nun! Am Kongresstag eingefädelt und zwei Tage später am Telefon geführt. Und das mit dem größten Vergnügen. Doch lesen Sie selbst: (Abb. Bodo Janssen /Foto: Stephan Rudolph-Kramer).

Die Kongresse vom pme Familienservice sind    ja dafür berühmt, dass sie anders sind als andere Kongresse. Was hat Ihnen daran besonders gut gefallen?

Das Format und das Ergebnis. Alle Beteiligten waren integriert und konnten in einer völlig ungezwungenen Wohlfühlatmosphäre mitgestalten. Es war toll von den Veranstaltern organisiert und den Kommunikationslotsen moderiert. Besonders beeindruckt haben mich die Ergebnisse, die aus der Gruppe entstanden sind. Das, worauf es ankommt, steckt in den Menschen ja schon drin, man braucht nur einen Schlüssel, um daran zu kommen. Und das ist mit dieser Veranstaltung gelungen und hat mir sehr gut gefallen.

Ihren Weg beschreiben Sie selbst mit dem Bild: Vom Hamsterrad zum Fels in der Brandung. Wie ist Ihnen dieser Schritt gelungen?

Nun ja, das mit dem Fels in der Brandung wechselt auch manchmal (lacht). Man kann es einfach zusammenfassen: Je bewusster ich mir meiner selbst werde, um so freier bin ich, desto unabhängiger bin ich von den äußeren Umständen, weniger abhängig von der Meinung anderer Menschen, weniger abhängig von materiellen Zwängen. Wenn ich weiß, wie viel Glück in mir selbst steckt, dann komme ich sehr schnell zum Fels in der Brandung. Im Hamsterrad war ich, als ich mit meinem Geist mehr in der Zukunft als im Jetzt war. John Lennon hat es in seinem Lied “Beautiful Boy” schön formuliert: “Life is what happens to you, while you´re busy making other plans .” Es geht letztlich darum, sich seiner selbst bewußt zu werden. Was will ich? Was kann ich? Was ist für mich bedeutsam? Was macht mir Spaß? Und dann kompromisslos danach zu leben. Dann kommt der Fels in der Brandung von ganz allein.

Wo gab es auf Ihrem Weg zum Fels in der Brandung Momente, an denen Sie gezweifelt haben, wo es unrund lief und wie sind Sie damit umgegangen?

Die Momente gab es und sie sind auch sehr wertvoll. Ein Beispiel: Ich hatte mir vorgenommen, die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen, habe viel Zeit und auch viel Geld investiert, um das zu erreichen, und habe dann erfahren, dass es dafür zunächst keine Resonanz gab. Boah! Es gibt ja dieses chinesische Sprichwort: “Das Gras wächst nicht schneller, nur weil ich daran ziehe”. Diese fehlende Resonanz hat dazu geführt mich zu hinterfragen, warum machst du das überhaupt? Und dann habe ich festgestellt, dass ich besonders dann Resonanz habe, wenn ich Dinge mache, die mir sehr viel Spaß machen, wenn ich sie nicht mit großen Erwartungen verknüpfe, wenn ich bei meinem persönlichem Leitbild bin, dem Bild von glücklichen Menschen. In dem Moment, als ich den Mitarbeitern gesagt habe, es gibt kein richtig und kein falsch, kein gut und kein schlecht, macht das, woran ihr Freude habt, was euch glücklich macht, in dem Moment hat das zu einer großen Gelassenheit bei allen Beteiligten geführt.

Sie bezeichnen sich selbst als Musterbrecher. Können Sie mir Muster nennen, die Sie gebrochen haben?

Oh ja, zum Beispiel: Führung ist kein Privileg, sondern Führung ist Dienstleistung. Weg von Macciavelli, hin zum Dienenden. Nicht motivieren, sondern inspirieren. Lebenszeiten betrachten. Nicht zwischen Arbeit und Freizeit differenzieren. Den Menschen sehen und nicht die Generation oder das Geschlecht.

Sie sind ja auch dafür bekannt, dass Sie völlig ungewöhnliche Dinge aus Ihrer Intuition heraus tun, wie beispielsweise die Übertragung der Hotelführung an eine Bachelor-Studentin. Wie kam es dazu und was wurde daraus?

Wir hatten eine Studentin, die bei uns gerade eine Bachelor-Arbeit schrieb, als in dieser Zeit ein kleines Hotel, das wirtschaftlich nicht mehr rund lief geschlossen wurde. Nach Abschluß ihrer Arbeit fragte sie mich nach einem Job. Und da fiel mir dieses kleine Hotel ein. Es war Februar und aus dem Bauch heraus fragte ich sie, ob sie sich als Ferienjob vorstellen könne, dieses Hotel für eine Saison zu öffnen. Ich erntete natürlich einen erstaunten Blick und sie bat um Bedenkzeit. Eine Woche später kam sie zu mir, zählte mir ihre Stärken und Schwächen auf und sagte mir, was sie brauche, um diesen Schritt zu gehen. Ich sagte ihre jede Unterstützung zu, veränderte die Rahmenbedingungen so, dass sie genau auf die Stärken dieser künftigen Hotelchefin passten. Wir schlossen zum Beispiel das Restaurant und boten nur Übernachtung mit Frühstück an. Ja, und dann hat sie los gelegt, sich Mitarbeiter gesucht und gemeinsam mit ihnen das beste Ergebnis der 30jährigen Geschichte dieses Hotels erzielt. Wir haben also etwas ganz Einfaches gemacht, wir haben Vertrauen geschenkt, an die Menschen geglaubt und ihnen das Gefühl gegeben, dass sie das können. Mittlerweile dient dieses Hotel für Hochschulzwecke, ist Leuchtturm geworden und eine richtige Erfolgsgeschichte.

Ihre Geschichte ist eine Mut-Mach-Geschichte für andere Unternehmer. Wenn sie sich auf diesen Weg begeben wollten, womit sollten sie anfangen?

Ganz einfach: Zunächst bei sich selbst. Sich einlassen auf diese abenteuerliche Reise, wo ich versuche, wieder die Bilder zu sehen, die mich als Kind begeistert haben und für sich zu erkennen, wozu bin ich da, was ist für mich bedeutsam, was kann ich, was sind meine Talente. Und wenn ich dann, egal wo ich arbeite, das Gefühl habe, hier kann ich all das leben, umsetzen, dann ist das aus meiner Sicht der richtige Weg.

Sie treten als Redner auf Kongressen auf, über Sie wird flächendeckend geredet, Sie dienen als Best-Practise-Beispiel für die Themen Unternehmenskultur, Achtsamkeit, Wertschätzung. Was glauben Sie, woran liegt die große Nachfrage nach Ihrer Geschichte?

Darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht und ich glaube, es liegt daran, dass wir versuchen nicht zu bewerten und moralisieren, sondern Geschichten erzählen, wonach sich offensichtlich viele Menschen sehnen. Dann sind es auch Impulse, die wieder Impulse für einen weiteren Schritt wurden. Ein Beispiel: Ich hielt auf einem Personalkongress einen Vortrag zum Thema “Wertschöpfung durch Wertschätzung”. Dort war jemand, der mich als Redner für einen Unternehmens-Workshop empfahl, dann kam der Anruf der Musterbrecher, ob ich für ihr Buch unsere Geschichte erzähle , was wiederum ein Journalist von einem Wirtschaftsmagazin erfuhr, der dann ein Interview machte. All dies habe ich nicht initiiert, aber ich habe die Tür aufgemacht, als die Chance anklopfte. Es hat sich also medial langsam aufgebaut. Hinzu kam ein Award und da habe ich festgestellt, dass so ein Award etwas ganz Tolles ist. Nicht nur wegen der Außenwirkung, sondern weil er mich dazu bringt, das Erreichte komprimiert zu reflektieren. Also, Vorträge, Awards, aber auch unser Film schaffen mediale Aufmerksamkeit, was unsere Mitarbeiter ganz besonders freut, denn sie spüren darüber eine Resonanz der Öffentlichkeit und das gibt auch intern wieder tolle Impulse.


Welche anderen Beispiele kennen Sie, wo ein ähnlicher Kulturwandel vollzogen wurde?

Da sind Granini, Schalke 04 oder dm mit dem großen Vorbild Götz Werner. Da ist aber auch die Berliner Stadtreinigung und dieses Beispiel ist deshalb so besonders, weil sie diesen städtischen behördlichen Hintergrund haben und der Kulturwandel funktioniert trotzdem.

Glauben Sie, dass diese Art der Unternehmensführung übertragbar ist auf andere Unternehmen, die nicht familiengeführt sind?

Ich glaube ja. Und zwar dann, wenn ich die Chance habe, als Führungskraft eine Enklave zu bilden. Und wenn ich mir in dem mir zur Verfügung gestellten Rahmen Raum für diese Entwicklung gebe. Für große Unternehmen ist es eher unwahrscheinlich, einen solchen Kulturwandel-Prozess flächendeckend anzustoßen. Aber in kleineren Einheiten gelingt das. Und wenn die eine Abteilung anfängt und dadurch andere darauf aufmerksam werden und den Weg auch gehen wollen, so ist das doch auch eine schöne Entwicklung.

Und zum Schluss: Welche Frage ist Ihnen noch nie gestellt worden, auf die Sie aber sehr gerne antworten würden?

Eine Frage, die mir noch nie gestellt wurde, weil sie vielleicht auch zu philosophisch ist, ist die Frage nach dem Ursprung der Haltung. Was ist der Ursprung meiner Haltung, um vielleicht nicht zu bewerten, nicht zu moralisieren und ein Gefühl im Umfeld zu erzeugen, das geprägt ist von einer Authentizität. Grundfaktor dieser Haltung ist für mich die Liebe, die sich im Spannungsfeld zwischen Verbundenheit und Freiheit bewegt. Einerseits das Gefühl zu haben, mit anderen Menschen verbunden zu sein und auf der anderen Seite die Freiheit und das eigene Wachstum nicht zu verlieren. Wenn ich mich in diesen beiden Polen im rechten Maß bewege, dann entsteht eine Haltung bedingungsloser Liebe. Ein Beispiel dazu von Gerald Hüther: Mutter und Kind. Auf der einen Seite das Bedürfnis der Mutter, das Kind zu beschützen, darauf aufzupassen und an sich zu binden, auf der anderen Seite das Bedürfnis des Kindes zu wachsen, sich zu entwickeln, groß zu werden. Und für mich ist dann die Liebe als Haltung da, wenn die Mutter zulassen kann, dass sich bei aller Verbundenheit das Kind so entwickeln kann, wie es für das Kind gut ist. Es so sein zu lassen, wie es ist und sich trotzdem verbunden fühlen.

Lieber Herr Janssen, vielen Dank für das Gespräch, es war mir eine Freude!

“Hilfe, ich hatte eine glückliche Kindheit” – Interview mit Katja Kerschgens

KerschgensKatjaSchreiben ist ihre Leidenschaft. Mit Worten spielen. Geschichten erzählen, die im Gedächtnis bleiben. Beruflich ist sie bundesweit im Einsatz, wenn es um Reden straffen geht.

Mal eben nebenbei hat Katja Kerschgens wieder einen Roman geschrieben. Jetzt ist er als eBook erschienen und im Interview verrät sie, warum sie sich für diesen Weg der Veröffentlichung entschieden hat, was LeserInnen verpassen, wenn sie die Geschichte nicht lesen und vieles mehr.

Dein Roman ist jetzt veröffentlicht: Was geht durch dein Herz?

Hurra! *SektflascheAufploppGeräusch

Warum hast du dich für diesen Weg der Veröffentlichung entschieden?

Die Freude, das eigene Werk in der Hand halten zu können, habe ich schon mehrfach erleben dürfen. Ich habe zwar brav auch für diesen zweiten Roman ein Exposee erstellt und Verlage angeschrieben, aber diesmal hatte ich nicht die Geduld zu warten, bis sich ein Verlag meiner „erbarmt“. Also wurde ich Selfpublisher bei neobooks.com.

Cover Katja KerschgensVorteile: Es geht schnell, ich kann das Cover selbst gestalten, der Titel ist damit rechtzeitig gesichert. Nachteile: Das Marketing bleibt bei mir hängen und die Zielgruppe derer, die ein eBook herunterladen, ist noch nicht allzu groß. Derzeit prüfe ich die Möglichkeiten, das Buch obendrein als BookonDemand zu vertreiben.

Was entgeht den Leserinnen und Lesern, wenn sie dein Buch nicht lesen?

Da lasse ich doch am besten meine Testleser selbst sprechen: Es gab Rückmeldungen wie „sensationell entwickelte Figuren, virtuose Sprache, dichter Stil, gute Ironie, habe das Buch verschlungen“ und Wünsche nach einer Fortsetzung. Ich habe diese Menschen nicht dafür bezahlt! Und ja, an der Fortsetzung arbeite ich bereits.

Was beeinflusste deinen speziellen Sprachstil?

Twitter. Zum Beispiel. Das Spiel mit der Sprache. Dinge anders formulieren als gewohnt. Immer wieder auch ganz kurze Sätze, mitunter sogar einfach nur einzelne Worte. Lebendige Sprachbilder, die nicht nur beschreiben, sondern ein Gefühl mittransportieren.

Wie kam es zu der Idee? Was war der Auslöser, wie entstand der Titel?

Drei Dinge gaben den Ausschlag: Meine Seminarteilnehmer, ein Telefonat und ein Wellnesswochenende mit meiner Mutter.

Der Reihe nach: Oft bekomme ich in meinen Seminaren zu hören, dass schlechte Kindheitserfahrungen bis heute nachwirken und mutigere Schritte im eigenen Leben verhindern. Da frage ich gerne nach: Ist das nicht in Wirklichkeit eine Ausrede?

In einem Telefonat mit einer Trainerkollegin, die tatsächlich auf sehr dramatische Erfahrungen in ihrer Jugend zurückschaut, sprachen wir über das Geheimnis von Bucherfolgen. Mir fiel der Satz „Mit sowas kann ich eigentlich gar keinen Erfolg haben, denn ich hatte ja eine glückliche Kindheit“ aus dem Mund – was einen Lachanfall bei meiner Gesprächspartnerin hervorrief.

All das erzählte ich meiner Mutter bei einem Wellnesswochenende, das wir uns gegönnt hatten – und da gab es plötzlich diesen Satz mit diesem für mich vielsagenden Bruch: „Hilfe, ich hatte eine glückliche Kindheit“.

Warum ist es ein Roman geworden?

Als der Titel im Raum stand, war der erste Gedanke tatsächlich, ein Sachbuch darüber zu schreiben. Aber ich nehme eine Reizüberflutung in der Ratgeberliteratur wahr. Als leichte Kost ist es besser verdaubar, dachte ich mir. Wer etwas daraus lernen will, kann es mit dem Buch unterhaltsam tun. Wer nicht, wird trotzdem unterhalten. So ist allen geholfen.

Wie hast du deine Geschichte entwickelt? Finden sich auch persönliche Erfahrungen darin?

Ich hatte plötzlich die Figur von Nadine mit ihrem Hund vor Augen, inmitten von einem Berg aus Büchern. Und dann habe ich einfach drauflos geschrieben. Dass Nadine in einem Hörbuchstudio arbeitet und das Thema „Stimme“ in der Geschichte einen großen Raum einnimmt, kommt nicht von ungefähr. Zum einen bin ich großer Hörbuchfan und achte immer sehr darauf, wer das Hörbuch spricht. Ich habe mal meine Lieblingssprecher gegoogelt – und das hätte ich besser gelassen. Die Sprecher sehen tatsächlich nie so aus, wie man sich das selber vorstellt. Von daher ist der dringende Wunsch von Nadine, diesen besonderen Sprecher nicht zu Gesicht zu bekommen, für mich sehr nachvollziehbar. Zudem habe ich selber schon mal ein Hörbuch in einem Studio aufgenommen, das hat mir sehr viel Spaß gemacht!

Was unterscheidet dein Buch von anderen?

Meine Romanheldin. Denn sie ist eigentlich gar keine Romanheldin. Sie kann keine Lebensbrüche, Enttäuschungen oder Traumata vorweisen. Normale Romanhelden haben sowas immer in petto. Darum auch der Untertitel: „Ein Roman über die anderen.“ Lügen, Intrigen und falsche Verdächtigungen schleichen sich plötzlich in Nadines beschauliches Leben. Was nützt da die beste Kindheit, wenn sie einen auf ein solches Chaos im Leben nicht vorbereitet hat? Es braucht noch einige Nackenschläge, bis meine Protagonistin merkt: Gerade diese Voraussetzung ist ein Kraftspender – für sie selbst und für andere gleich mit!

Was passiert als nächstes?

Entscheidend für mich ist, dass die Geschichte jetzt in der Welt ist. Für alles Weitere habe ich dem Universum schon mal Bescheid gegeben …

Liebe Katja, danke für das Interview und viel Erfolg mit deinem neuen Buch!

Verleihung des Strategie-Award 2014 – Fünf Unternehmen für herausragende Personalkonzepte ausgezeichnet

Berliner Verkehrsbetriebe, Deutsche Bahn, Dornseif Winterdienst, Neumüller Ingenieurbüro und McDonald’s – so lauten sie, die fünf Preisträger des Strategie Awards 2014, die am 24. Mai 2014 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im Plenarsaal in Bonn gewürdigt wurden.DSC_0451

Der Strategie Award, eine Gemeinschafts-Initiative von der PR- und Strategie-Beraterin Astrid Braun-Höller und Melanie Vogel, Initiatorin der women&work, zeichnet Unternehmen aller Branchen und Größen aus, die mit klugen Strategien Frauen- und Familienfreundlichkeit nach innen gut leben, nach außen gut kommunizieren und sich so als attraktiver Arbeitgeber positioniere

„Der Strategie-Award ist ein Geschenk. Für unsere fünf großartigen Preisträger, die ihre Personalarbeit und Öffentlichkeitsarbeit vorbildlich managen. Die nach innen ein familienfreundliches, inspirierendes, zeitgemäßes Arbeitsumfeld für ihre Beschäftigten schaffen. Und die nach außen darüber sprechen, was sie tun, um sich damit als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Er ist aber auch ein Geschenk für andere Unternehmen, die hier Anregungen für die eigene Arbeit erhalten können. Für Personalverantwortliche, die sich Inspirationen für das Managen dieser Themenfelder wünschen. Für Jobsuchende, die einen passenden Arbeitgeber suchen. Und für die Presse, die immer an zeitgemäßen Themen interessiert ist,” sagte Astrid Braun-Höller bei der Preisverleihung.

Und Jury-Mitglied Jörg Buckmann, Leiter Personalmanagement der Verkehrsbetriebe Zürich, bringt es auf den Punkt: „Als Jury-Mitglied freue ich mich zu lesen, was andere überlegt und umgesetzt haben. Die eingereichten Konzepte waren voll mit richtig guter, frechmutiger Personalarbeit! Und die inspiriert – und zwar gewaltig.“

Unabhängig voneinander wurden in einem Online-Verfahren die Bewerbungen nach den Kriterien Optik und Kiss, Strategie, Motivation, Umsetzung, Erfolge, Öffentlichkeitsarbeit und Zukunft beurteilt. Von 0 = nicht erkennbar bis 5 = top reichte die Skala. Die Berliner Verkehrsbetriebe, Deutsche Bahn, Dornseif, Neumüller Ingenieurbüro und McDonald’s wurden von der Jury einstimmig als ausgezeichnet bewertet. Die Begründungen im einzelnen:

  • Die Berliner Verkehrsbetriebe haben ein sehr beindruckendes gesamtheitliches Konzept für einen Wandel in der Unternehmenskultur vorgelegt – mit einer starken Frau an der Spitze.
  • Der Wille bei der Deutschen Bahn, das Unternehmen umzubauen und der Mut, “gegen den Strich zu kämmen” ist überzeugend in ein hervorragendes Strategie-Konzept eingebaut.
  • Bei Dornseif hat man erkannt, dass Mitarbeiter das grösste Kapital eines Unternehmens und Vertrauen und Wertschätzung die Basis für Innovationen sind. Das Projekt „Dreamwork®“ ist ein beeindruckendes Ergebnis.
  • Neumüller Ingenieurbüro bietet ein beeindruckendes Angebot, um Mitarbeitenden ein angenehmes und motivierendes Arbeitsklima zu ermöglichen. Hier wird die Lebens- und Arbeitsphilosophie der Firmengründer aktiv gelebt.
  • McDonald’s hat eine sehr umfängliche Strategie zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie implementiert und überzeugend dargestellt.

„Es ist faszinierend zu sehen, dass Unternehmen manchmal nur an winzigen Schräubchen drehen und damit ganz großartige Ergebnisse erzielen. Frauen- und Familienfreundlichkeit muss keine Unsummen verschlingen. Sie kann unprätenziös, wertschätzend und in Zusammenarbeit mit der Belegschaft mit einfachen Mitteln umgesetzt und strategisch verankert werden. Die diesjährigen Preisträger beweisen das auf sehr beeindruckende Weise“, lobt Melanie Vogel die Preisträger.

Doch nicht nur die fünf mit dem Award ausgezeichneten Unternehmen sind vorbildlich in ihrer Personalarbeit. Auch die Finalisten, die es bis in die Endrunde schafften, zeichnen sich durch sehr vielversprechende strategische Ansätze im Bereich Frauen- und Familienfreundlichkeit aus. Zu den Finalisten gehören die Firmen Continental, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, Heel, Mark O´Polo und Union Investment.

„Wir freuen uns sehr über den Strategie-Award. Er unterstreicht, dass wir die Weichen für die Zukunft richtig gestellt haben,“ freut sich Katrin Sünderhauf von der Deutschen Bahn.

Mythos Fachkräftemangel – Interview mit Martin Gaedt

Martin Gaedt“Gute Mitarbeiter aus der Region – die Ressource von Nebenan” war der Untertitel einer Veranstaltung, zu der die Wirtschaftsförderung des Kreises Ahrweiler jüngst eingeladen hatte. Martin Gaedt, Gründer und Geschäftsführer von YOUNECT und Autor des Buches “Mythos Fachkräftemangel” stellte dort die Internetplattform “Talentpool” vor, die das Weiterempfehlen von Talenten unter Unternehmen und Bildungspartnern unterstützt.

Das machte mich neugierig und ich wollte auch den Mann, mit dem ich in der virtuellen Welt schon längst vernetzt war, persönlich kennen lernen. Im Anschluss bat ich Martin Gaedt um 10 provokante Thesen über den “Mythos Fachkräftemangel für meinen Blog. Und hier sind sie:

1.„Fachkräftemangel“ als Begriff ist genauso richtig oder falsch wie „Kundenmangel“ – und daher eigentlich unsinnig. Subjektiv kann beides zutreffen. Objektiv sagen „Fachkräftemangel“ und „Kundenmangel“ nur etwas über die mangelnde Attraktivität des Unternehmens oder einer ganzen Branche aus.

2. Individueller „Fachkräftemangel“ kann viele Gründe haben: Weil Betriebe für Bewerber unsichtbar sind. Weil Absolventen denken „hier gibt`s ja nichts“ und wegziehen. Weil Unternehmen Bewerbern keine überzeugenden Gründe sagen, warum sie sich bewerben sollten. Weil Unternehmen langweile Stellenanzeigen schalten.

3. Keiner würde ein langweiliges Buch lesen oder verschenken. Aber langweile, blutleere Stellenanzeigen sollen hinterm Ofen hervorlocken. Wer`s glaubt… Außerdem gibt es 1.583 Stellenbörsen, während weit über die Hälfte aller Jobsuchenden gar keine Stellenanzeigen mehr lesen. Mehr Börsen, weniger Leser. Sie bekommen weniger Bewerbungen? Sie wundern sich? Ernsthaft?

4. Wer sich bewirbt, hat Glück, wenn er eine Antwort bekommt. Solange 40 Prozent aller Bewerbungen GAR NICHT beantwortet werden, erkenne ich keinen Fachkräftemangel.

5. Bewerber lesen oft: „Sehr geehrte Bewerberin/sehr geehrter Bewerber. Ihre Unterlagen sind in unserem System eingestellt.“. Willkommenskultur sieht anders aus. „Aber das macht das System so…“ Mein Tipp: Bewerben Sie sich inkognito in Ihrem eigenen Unternehmen. Sie werden überrascht sein.

6. Solange Ingenieure und Ärzte Deutschland verlassen, weil sie hier in der Unternehmens-Unkultur nicht arbeiten wollen, solange liegt der eigentliche Mangel im menschliche Miteinander! Arbeitszeit ist Lebenszeit!

7. „Fachkräftemangel“ jammern und am Schreibtisch sitzen ist wie ein Fußball-Scout, der im Büro auf die besten Kicker wartet… NEIN. Er wartet nicht. Selbstverständlich geht ein Scout auf die staubigen Plätze, da wo die Luft brennt und leidenschaftliche Kandidaten davon träumen, Fußballstar zu sein. Wieso erwarten Unternehmen, dass Bewerbungen zugeschickt werden? Im Verkauf bewerben sich alle Unternehmen beim Kunden. Sie gehen auf potenzielle Kunden zu – hundertfach für einen Abschluss. Sie wollen was vom Kunden. Unternehmen wollen Bewerber. Gehen Sie einfach auf sie zu!

8. Potenzielle Bewerber schauen sich als erstes die Website des Unternehmens an. Der Köder muss dem Angler schmecken… Oder? Ach so, NEIN, dem Fisch. Welchen guten Grund liefern Sie, der zur Bewerbung führt? Schmeckt ihr Köder? Ziehen Sie magnetisch an?

9. Solange die Mehrzahl GUTER Bewerber Absagen bekommt, was immer so ist – oder stellen Sie alle Bewerber ein, die in der engeren Wahl sind? – werden massenhaft Ressourcen verschwendet, und es gibt keinen F***Mangel. Unternehmen könnten im Recruiting kooperieren und die besten Bewerber im Netzwerk weiterempfehlen. Ein Drittel aller Unternehmen könnte so weitere zwei Drittel offener Stellen mit Silber- und Bronzemedaillen-Bewerbern versorgen. Alle Stellen wären besetzt. Im Einkauf ist Kooperation längst üblich. Warum nicht im Recruiting?

10. Eine Million Schüler haben seit 1999 die Schule ohne Abschluss beendet. Diese zu integrieren könnte ein Jahrzehnt lang den demografischen Wandel ausgleichen. In Stuttgart hat mit 53 Jahren die älteste Bäcker-Azubine angefangen – laut ihrem Meister die beste Azubine in 30 Jahren. Wer sagt, wie alt ein Azubi sein muss? Die Deutsche Bahn integriert jedes Jahr 400 Menschen ohne Schulabschluss – erfolgreich. Ein Bauunternehmer im Emsland hat 20 Menschen ohne Schulabschluss ausgebildet, 18 arbeiten heute noch für das Unternehmen. Potenzial gibt es sehr viel. Man muss nur rechts und links schauen und neue Wege gehen.

Vielen Dank, Herr Gaedt, Sie sprechen mir mit vielem aus der Seele und ich wünsche Ihnen und dem “Talentpool” gutes Gelingen!

 

Messen sind Bühnen für PR – Tipps für BesucherInnen

Bald ist es wieder so weit: Am 24. Mai 2014 öffnen sich im World Conference Center in Bonn die Türen zur women&work, Deutschlands größtem Messe-Kongress für Frauen. Und weil sich Messen wunderbar eignen, um auch PR in eigener Sache zu machen, hier ein Auszug aus meinem Buch “Mit Strategie ans Ziel – Selbstmarketing und PR für Frauen”:

Buch klein“Es war auf der Frauenmesse TOP 1997, als ich im Auftrag der Kommunalstelle Frau & Beruf unter anderem eine Podiumsdiskussion zum Thema „Telearbeit“ moderierte.

Eine meiner Podiumsgäste war eine Betriebsrätin der Siemens AG. Im Publikum saß ihr Kollege, der zu diesem Zeitpunkt eine Jahrestagung in München organisierte  und noch auf der Suche war nach jemandem, der eine Podiumsdiskussion zum Thema „Shareholder Value versus Soziale Verantwortung“ moderiert.

Tage später, die TOP war schon vorbei, rief er mich an und fragte, ob ich diese Moderation übernehmen wolle. NATÜRLICH sagte ich zu!

Einer der Podiumsgäste war hier der Vorstandsvorsitzende der Kaufhof Warenhaus AG Lovro Mandac. Was sich hieraus  ergeben hat, erfahren Sie in dem Kapitel “Zukunftswerkstatt”. Im Publikum der Münchner Podiumsdiskussion saß wiederum ein Siemens- Mitarbeiter, der die nächste Jahrestagung organisierte und mich dafür engagierte…

All diese „Schneebälle“, die hier ins Rollen gekommen waren, hatte ich nicht erwartet und nicht strategisch geplant, aber – ich habe die Tür aufgemacht, als die Chance anklopfte. Und das, liebe Leserin, wäre so niemals passiert, wenn ich nicht aktiv auf der Frauenmesse TOP 97 gewesen wäre.

Messen sind immer ein Gewinn!

Völlig unabhängig davon, ob Sie Besucherin einer Messe, Ausstellerin, Moderatorin oder Veranstalterin sind – es gibt keine bessere Bühne, um innerhalb kürzester Zeit fast alles gleichzeitig machen zu können: präsentieren, investieren, neugierig machen, sich ins Gespräch bringen, verkaufen, alte Kunden treffen, neue Kunden kennen lernen, vernetzen, Firmen-Image vermitteln, spionieren, Trends erkennen, neugierig sein, Kundenwünsche heraus spüren, Neues entdecken…

Jährlich finden allein in Deutschland unzählige Messen für die unterschiedlichsten Branchen statt. Manche davon haben Weltruhm und ziehen Tausende von Besucherinnen und Besuchern an, wie die IAA, die Frankfurter Buchmesse, die Funkausstellung, die CeBit usw. Manche sind eher klein, aber trotzdem fein und heiß begehrt, weil sich hier auf engem Raum alles trifft, was in dieser Branche, zu diesem Thema, bei dieser Zielgruppe Rang und Namen hat.

Im folgenden werden drei Rollen, die Sie bei Messen einnehmen können, intensiver beschrieben: 

  • die Besucherin,
  • die Ausstellerin
  • die Veranstalterin

Die Besucherin

Sie beschließen eine Messe zu besuchen, einfach so, just for fun. Sie kommen in die Messehalle – und sind erschlagen. Die Hallen sind riesig, es ist laut und voll. Hier schallt Musik, dort findet eine Podiumsdiskussion statt, dazwischen Produktpräsentationen oder Video-Projektionen. Sie werden angesprochen, sich doch diesen oder jenen Stand anzusehen und wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen!

Wenn Sie kein konkretes Ziel haben:

Lassen Sie sich treiben und genießen Sie!

Gehen Sie von Stand zu Stand, achten Sie darauf, wie um Sie geworben wird, wie versucht wird, Ihr Interesse zu wecken, wie sich die Menschen präsentieren, mit was sie in Erscheinung treten, wie es ihnen gelingt, dass Sie anhalten, zuhören, aktiv werden. Aber achten Sie auch darauf, mit was Sie verscheucht werden, was Sie abstößt und warum das so ist.

Machen Sie sich eine Freude daraus,  Menschen zu beobachten, die versuchen, mit Ausstellern ins Gespräch zu kommen: wie wird die Kontaktaufnahme aufgebaut, wie ist die Körpersprache auf beiden Seiten, kommt man ins Geschäft…?

Wenn Sie jedoch bei einer Messe ein konkretes Ziel haben:

 Gehen Sie strategisch vor!

Vorbereitung:

Dazu gehören ganz allgemeine Informationen: wo findet die Messe statt, wie komme ich dahin, wie sind die Öffnungszeiten, wo kann ich parken, brauche ich eine Übernachtung? Lassen Sie sich über die Messegesellschaft / die Organisatoren / Veranstalter das Programm mit Standverzeichnis kommen oder entnehmen Sie es dem Internet.

Überlegen Sie, warum Sie diese Messe besuchen wollen, definieren Sie also Ihr konkretes Ziel:

  • Wollen Sie Kontakte neu knüpfen oder festigen?
  • Wollen Sie sich über neueste Trends informieren?
  • Wollen Sie Ihr Produkt/Konzept… präsentieren?
  • Suchen Sie Kooperationspartner?
  • Suchen Sie einen neuen Arbeitsplatz?

Wenn Sie wissen, was Sie wollen, erstellen Sie dazu Ihr eigenes Messeprogramm:

Wen will ich wann mit welchem Ziel wie kontaktieren?

Das Wie ist hierbei das A und O! Denn Sie wollen ja Ihr Ziel erreichen, einen positiven Eindruck hinterlassen, auf sich selbst neugierig machen, sich von anderen abheben.

Beispiel Bewerbermesse

Sie haben gerade ihr Studium abgeschlossen und sind auf der Suche nach einer Stelle. In nächster Zeit findet eine klassische Bewerbermesse statt – also nichts wie hin! Und natürlich vorbereitet: Sie wissen, wer wann wo wie präsent ist und wen Sie kontaktieren wollen. Sie haben sich die Firmen ausgesucht, die Ihnen ganz besonders gut gefallen, haben sich  entsprechende Hintergrundinformationen zu den Unternehmen besorgt wie Größe, Struktur, Zahlen, Personen, offene Stellen, Marketingmaßnahmen.In ihrem Handgepäck haben Sie  ausreichend Lebensläufe, Praktikumsbescheinigungen und für alle Fälle Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen, die sich natürlich abheben von all den anderen durch Farbe, Form und Inhalt.

Ein Beispiel, wie Sie neben den klassischen Standbesuchen auch ins Gespräch kommen können:

Personalchef X ist Teilnehmer einer Podiumsdiskussion. Sie sind so früh da, dass Sie einen günstigen Platz im vorderen Drittel haben. Sie hören aufmerksam zu, machen sich Notizen und dann kommt der Zeitpunkt, an dem Fragen aus dem Publikum gestellt werden können. Sie werden jetzt nicht denken, Ihnen falle ja eh´ nichts ein und Sie werden sich auch nicht hinter all den anderen verstecken. Sondern Sie sehen Ihre Chance und ergreifen sie! Sie stehen auf und sagen beispielsweise:

 „Mein Name ist Jana Kuba und ich habe eine Frage an Herrn X: 

  • Was raten Sie jemandem, der Betriebswirtschaft studiert hat, ein riesiges Interesse an Ihrem Unternehmen hat und es hier und heute schaffen will, ein Bewerbungsgespräch in Ihrem Hause zu vereinbaren?“
  • Welche drei Erfolgstipps können Sie mir geben, die mir helfen, bis heute Abend drei feste Vorstellungstermine vereinbart zu haben, unter anderem einen in Ihrem Haus?“
  • Was kann man Ihrer Meinung nach tun, um Personalchefs davon zu  überzeugen, dass man selbst genau die richtige Person für die offene Position ist?“

Ausschnitt Buch Strategie klein

Wie überall ist auch hier die Kleiderfrage wichtig, tragen Sie das, worin Sie sich wohl fühlen und was zu Ihrem Auftritt passt. Achten Sie auf bequemes Schuhwerk, vielleicht haben Sie auch ein zweites Paar Schuhe dabei, denn Sie laufen sich sprichwörtlich „die Füße platt“ in großen Messehallen. Sinnvoll ist manchmal auch ein „Trolly“, ein Koffer auf Rädern, in dem Sie alles verstauen können: Ihre eigenen Unterlagen, aber auch das, was sich auf Ihrem Weg durch die Messehalle(n) an Material ansammelt. Machen Sie öfter einmal eine Pause, dies können wunderbare Gelegenheiten sein, mit anderen ins Gespräch zu kommen, Visitenkarten auszutauschen… Denn – man weiß ja nie, was sich so alles entwickelt!…”

 

 

Wenn der Wind des Wandels weht – Impressionen vom DJV-Journalistinnenkongress

“Ich möchte niemandem folgen. Ich möchte auch nicht, dass mir jemand folgt. Deshalb bin ich nicht bei Twitter und das will ich auch in Zukunft nicht.” Dieser Satz einer jungen Journalistin fiel im Rahmen eines Selbstmarketing-Workshops beim jüngsten DJV-Journalistinnenkongress  “Frau Macht Medien – Journalistin 3.0″  in Köln.

Sie war nicht die einzige, die in diese Richtung sprach und mich mit ihrer Einstellung zu den Sozialen Medien überraschte. “Ich brauche diese neuen Medien nicht. Um Informationen zu bekommen treffe ich mich mit den richtigen Menschen zum Mittagessen.”

Und ich dachte nur: Was entgeht diesen Kolleginnen an Informationsquellen, an Zeitgeist und an Chancen für die eigene Vermarktung. Wie wollen sie in Zukunft arbeiten? Wo zunehmend Twitter, Facebook, Blogs, alternative Videokanäle eine Rolle spielen. Wo es in den Redaktionen immer enger und schwieriger wird, als Feste den Job zu behalten oder als Freie Geschichten, Bilder… zu verkaufen und auch davon zu leben. Umso wichtiger müßte es doch sein, die Klaviatur professioneller Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen, um sich selbst mit eigenen Themen, Schwerpunkten… ins Gespräch zu bringen, andere lukrative Veröffentlichungskanäle zu suchen und sich gar zu einer Marke zu machen.

“Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen” sagt ein chinesisches Sprichwort. Und genau das war mein Eindruck während des Kongresses. Während einige sich abschotten vor den gravierenden Änderungen im Journalismus, haben andere schon längst ihre Windmühlen gebaut.

Heike Rost, freie Fotografin und Journalistin brachte es in einem Podiumsgespräch auf den Punkt: “Gesicht zeigen, öffentliche Auftritte nutzen, sich positionieren mit eigenen Themen, in echten und virtuellen Netzwerken agieren. Leider fehlt vielen Frauen hier noch das Rampensau-Gen.”

Ins Rampenlicht gerückt wurde bei der abschließenden Podiumsdiskussion die Initiative “Pro Quote”. Die Vorsitzende des DJV Fachausschusses, Dr. Mechtild Mäsker, fragte die Vorsitzende des Journalistinnenbundes, Andrea Ernst, ob sie sich denn “ärgern”  würde über die große Öffentlichkeit, die diese Initiative erzielt habe. Seit Jahren würden auf den unterschiedlichsten Ebenen Frauen an dem Thema Chancengleichheit arbeiten und da komme nun diese Initiative daher und ist plötzlich in aller Munde.

Nein, ärgern würde sie sich nicht, im Gegenteil, sie finde es großartig, wie mit einer klar formulierten Zielgruppenaussage erfolgreich gearbeitet wird, so Andrea Ernst.  Eine verbindliche Frauenquote von 30% auf allen Führungsebenen bis 2017 in allen Print- und Onlinemedien, TV und Radio zu fordern, bringe Beschleunigung in die Diskussion. Es sei zwar unwahrscheinlich, dass dieses Ziel tatsächlich bis 2017 erreicht werde, aber es erzeuge hohe mediale Aufmerksamkeit und das sei doch großartig.

Für mich war das Musik in meinen Ohren und erinnerte mich an einen Spruch: “Ziele auf den Mond. Und wenn du daneben triffst, landest du immer noch in den Sternen.” Man kann zur Quote stehen, wie man will. Aber um Öffentlichkeit zu erzielen, ein Thema zügig voran zu treiben sind kluge Strategien gefragt. Und die Initiative ist eine nach allen Regeln der PR-Kunst erfolgreiche Strategie.

Prominente einbinden, professionell auf allen Kanälen das gesellschaftlich und betriebswirtschaftlich relevante Thema kommunizieren und fokussieren, Einblicke geben hinter die Kulissen von Redaktionen, Verantwortliche vorstellen, Zahlen und Entwicklungen in die eine und in die andere Richtung veröffentlichen, Einsprüche erheben und immer wieder darüber reden (lassen) – hier ist Fahrt aufgenommen worden und dieser Wind bläst den Redaktionen, Verlagen… ganz schön ins Gesicht.

Viele legen sich daher jetzt so richtig ins Zeug. Und profitieren davon, denn ein frauen- und familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein hat natürlich einen großen Imagefaktor in zwei Richtungen: die (potentiellen) LeserInnen und die (potentiellen) MitarbeiterInnen.

Mir kommt ein Offener Brief in den Sinn, den ich einmal an die Herren Vorstandsvorsitzenden der DAX-Unternehmen formulierte:

Sehr geehrte Herren Vorstandsvorsitzende,

natürlich hätte ich Sie auch einzeln anschreiben können, aber so geht´s schneller. Ich möchte nämlich heute mit Ihnen das Tempo beschleunigen bei der Diskussion um mehr Frauen in Führungspositionen. Sie alle müssen ja in unzähligen Interviews, auf Konferenzen, in Meetings… immer wieder beteuern, wie wichtig doch die Frauen für die Unternehmen sind. Sie müssen Antworten geben, ob Sie die Quote favorisieren oder sich freiwillig verpflichten. Journalisten möchten wissen, bis wann Sie welche Ziele erreichen wollen und was Sie konkret dafür tun, Ihr Unternehmen für Frauen attraktiv zu machen. Die Frauen möchten wissen, ob Sie es ernst meinen mit Ihren Angeboten und umsetzen, was Sie ankündigen. In den sozialen Netzwerken wird über Sie als Arbeitgeber gesprochen, ob Ihnen das nun behagt oder nicht. Dann übt auch noch die EU-Justizkommissarin Viviane Reding Druck auf Sie aus mit der Ankündigung der Einführung einer gesetzlichen Quote. Diese ganze Diskussion wird kein Ende nehmen und ist Ihnen womöglich ganz schön lästig.

Gut, ich könnte jetzt sagen, das haben Sie sich selbst eingebrockt. Hätten Sie doch früher eine Unternehmenskultur geschaffen, in der z.B. Karriere in Teilzeit, Home-Office, Arbeitszeitflexibilität usw. selbstverständlich sind, und zwar für Frauen und Männer. Dann wären heute Ihre Arbeitgeberattraktivität und Umsätze kaum zu toppen.

Im Grunde haben Sie trotzdem Glück. Noch. “Stellen Sie sich vor, Frauen würden sich zusammen tun und öffentlichkeitswirksam ihre Konsumentenmacht demonstrieren”. Mit diesen Worten beflügelte jüngst die Autorin eines Wirtschaftsmagazins eine Runde von Führungsfrauen.

Meine Herren, es sind genug Argumente ausgetauscht. Genug Zeit verspielt.  Genug Studien veröffentlicht, die beweisen, dass gemischte Führungsteams bessere Ergebnisse erzielen. Es liegt nur an Ihnen, endlich die Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Frauen erleichtern, Karriere in Ihren Unternehmen zu ermöglichen. Kluge Ideen, dies umzusetzen, gibt es zur Genüge.

Mit ungeduldigen Grüßen                                                                                                                       Astrid Braun-Höller

Diesen Brief habe ich nicht abgeschickt. Stattdessen ist eine Initiative entstanden, wegen der ich eigentlich zum Journalistinnenkongress fuhr. Hier wollte ich nämlich erfahren, welche Redaktionen und Verlage es wirklich ernst meinen mit den Frauen.

Logo StrategieawardUm sie dann gezielt anzusprechen für den Strategie-Award, der Unternehmen auszeichnet, die Frauen- und Familienfreundlichkeit selbstverständlich und glaubwürdig in ihrer Unternehmenskultur verankert haben.

Die Bilanz war erschütternd. Und ich habe mit vielen Kolleginnen gesprochen.

Doch weil ich das einfach nicht glauben kann, dass es keine Redaktion, keinen Verlag gibt, der den Kriterien des Awards gerecht wird, nutze ich jetzt diesen Blogartikel, um ihn in die sozialen Netzwerke zu schicken. In der Hoffnung, dass sich hierüber potentielle Preisträger für den Award 2014 finden. Dass Sie Kontakt zu mir aufnehmen. Empfehlungen abgeben. Vielleicht auch schon AnsprechpartnerInnen nennen. Das wäre großartig! Und ganz nebenbei auch ein Beweis, wie soziale Netzwerke wirken.

Zum Schluß will ich noch DANKE sagen für die tolle Organisation und Durchführung vor und hinter den Kulissen, die pointierte Moderation von Dr. Mechtild Mäsker, das sehr leckere Essen im Park Inn, das schöne Geschenk an uns alle, das jetzt im Türrahmen zu meinem Büro hängt und die Chance, viele Kolleginnen zu treffen und sich mit ihnen zu vernetzen. Ich freue mich schon aufs nächste Mal!

Studierende der Hochschule Koblenz in Buchprojekt eingebunden – Personalentwicklung live

rheinahrcampus2Ein knappes Semester mit Studierenden einer Hochschule zusammen arbeiten an einem Buchprojekt zum Thema “Personalentwicklung”, in Xing einen Aufruf starten im Human Resources-Forum, der innerhalb einer Woche 2.500 Abrufe und 120 Antworten hatte, einen Film über dieses Projekt drehen und veröffentlichen – das sind nur einige Highlights aus einem außergewöhnlichen, tollen Projekt.

Hier nun die ganze Geschichte, zusammen gefasst in einem Kapitel aus meinem Buch: “Denk ich an Personalentwicklung… – Ein Inspirationsbuch für Unternehmer, Personalverantwortliche und Berater:

Personalentwicklung live – Studierende der Hochschule Koblenz in Buchprojekt eingebunden

Viel Freude beim Lesen!