Danke, Frau Schröder!

Besser kann´s ja gar nicht laufen. Da veröffentlichen Sie als  Bundesfamilienministerin Ihr Buch: “Danke, emanzipiert sind wir selber” und lösen damit einen riesigen Medienwirbel aus. Allerdings nicht in die von Ihnen gewünschte Richtung. Ganz schön dumm gelaufen werden Sie vielleicht einmal sagen. Denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Quote wird kommen, jetzt sogar schneller als erwartet. Und damit Ihr Rücktritt.

Mit Ihrem Buch haben Sie sich auf den Schleudersitz begeben und die Diskussion um die Quote beschleunigt. Das spielt uns sehr in die Hände. Haben wir doch gerade unsere Initiative gestartet “Wir wollen in Führung”, deren Zwischenergebnisse wir am 5. Mai 2012 auf Deutschlands größtem Messe-Kongress für Frauen präsentieren.

Gerne können Sie auch hier einen Auszug der Kommentare lesen, die uns Frauen schicken. Zum Beispiel diesen: “Liebe Unternehmen, schafft endlich wirklich familienfreundliche Arbeitsbedingungen (umfassende Arbeitszeitflexibilität, Home Office, Führung in Teilzeit, Vertretungsregelungen, Eltern mit “Brüchen” im Lebenslauf einstellen, ausreichend Kitaplätze und Hortplätze für Grundschulkinder mit langen Öffnungszeiten anbieten, klares und konsequentes Bekenntnis zur Familienfreundlichkeit) und ihr werdet super ausgebildetes, hoch motiviertes Personal bekommen, das Höchstleistungen bringt und Euch treu bleibt.”

Sie hätten es in der Hand gehabt, Deutschland bei diesem Thema ein großes Stück nach vorne zu bringen. Diese Chance haben Sie verspielt. Gut, dass Sie Ihr Buch jetzt veröffentlicht haben. Und dafür: Danke.

 

 

Posted in Gedanken, HR-PR, Öffentlichkeitsarbeit | Tagged , , , , , | Leave a comment

Interview mit Gero Hesse über careerloft

Sehr spannend, was es aktuell auf dem Talentemarkt zu beobachten gibt. Welches Unternehmen wirbt in der Öffentlichkeit wie um die Besten? Was tun Unternehmen, um auf sich als attraktiver Arbeitgeber aufmerksam zu machen? Viele arbeiten getrennt voneinander an derselben Aufgabe. Jetzt haben sich einige Unternehmen zusammen getan. Und das auf Initiative von Gero Hesse. Was es genau mit careeloft auf sich hat, erzählt er nun im folgenden Interview:

Wie ist die Geschichte zur Idee und zum Namen? 


Die Idee waberte schon seit Jahren in meinem Kopf herum. Spätestens, als ich mit meinem Blog saatkorn. angefangen und so einen intensiveren Blick auf die gesamten Angebote und Dienstleistungen rund um Employer Branding, Personalmarketing, Recruiting und Social Media geworfen habe, hatte ich das Gefühl, dass die Zeit „reif“ für ein modernes Karrierenetzwerk ist. Dafür sind vier gesamtgesellschaftliche Trends bedeutend:

  1. der immer virulenter werdende Fachkräftemangel
  2. das andere Werteverständnis der Generation Y, die ihre Erwartungen an Arbeitgeber im Gegensatz zu vorherigen Generationen sehr klar artikuliert
  3. die fortschreitende Globalisierung, die den gut qualifizierten Fachkräften sehr breite Karrieremöglichkeiten auch im Ausland bietet
  4. das sich rasant ändernde Medien-Nutzungsverhalten, Stichwort Social Media

careerloft ist unsere Antwort auf diese Entwicklungen. Zielsetzung ist es, Studenten und Absolventen (weibliche Form stets mitdenken!) mit Arbeitgebern auf Augenhöhe zusammen zu bringen.

Der Name careerloft entstand durch die Erkenntnis, dass eine online Plattform unseren Ansprüchen nicht hundertprozentig gerecht wird. Denn: echte Begeisterung für etwas entsteht in der Regel nicht nur durch die Auseinandersetzung mit einer Website, sondern durch Menschen. Und darum geht es: wir wollen Menschen zusammen bringen. Menschen aus Organisationen mit Menschen, die sich gerade in der Berufsorientierung befinden. Dafür benötigt es einen Ort und das ist careerloft. Daher gibt es careerloft online im Web und auf diversen Social Media Plattformen – allen voran facebook – und offline im physischen careerloft in Berlin Kreuzberg.

Was ist der USP bei diesem neuen Netzwerk? 


Einen Teil der Antwort habe ich gerade bereits gegeben: die Verknüpfung von on- und offline Elementen ist in dieser Form einzigartig. Das ist aber natürlich nicht alles.

Für Studenten und Absolventen ermöglicht careerloft einen direkten Kontakt zu unseren Partnerunternehmen auf Augenhöhe. Es handelt sich ausnahmslos um namhafte Konzerne wie Audi, Bertelsmann, Boston Consulting Group, Commerzbank, Ernst & Young, Hogan Lovells, Merck, Metro Group und SAP. Für jedes Unternehmen gibt es auf careerloft dedizierte Ansprechpartner, so dass alle Fragen rund um Karriere und Einstieg persönlich beantwortet werden.

Darüber hinaus dreht careerloft den Bewerbungsprozess um: die Unternehmen bewerben sich bei den Mitgliedern. Wer sich bei careerloft  registriert und seinen CV hochlädt, erspart sich die umständlichen und zeitaufwändigen Bewerbungen über diverse einzelne Online-Bewerbungsformulare. Einmal den CV hochladen und schon können unsere Partnerunternehmen die Unterlagen sichten und dann wiederum bei dem jeweiligen Kandidaten Interesse anmelden und in Kontakt treten.

Und schließlich verfügt careerloft über ein Förderprogramm, auf welches man sich bewerben kann. Im careerloft Förderprogramm gibt es Sprachtrainings, Karriere-Coaching und andere Vorteile wie beispielsweise kostenlose Zeitschriften. Die Angebote im Förderprogramm werden in den nächsten Wochen noch erweitert.

Was ist Ihr persönliches Highlight (es dürfen auch gerne mehr sein;-) seit dem Start von careerloft? 


Mein persönliches Highlight ist, dass es careerloft nun wirklich gibt. Das dürfte jedem so gehen, der zunächst nur eine Idee hatte und dies dann tatsächlich umgesetzt hat. Wenn aus einer Idee Realität wird, das ist schon ein besonderes Erlebnis. Das echte dahinter stehende Highlight ist aber natürlich die Zusammenarbeit in unserem careerloft Team. Wir sind heterogen zusammen gesetzt und brennen für careerloft. Es macht einfach Spaß, in und mit diesem Team zu arbeiten. Auch wenn die Tage momentan oft sehr lang sind…

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten im Zusammenhang mit der Zukunft von careerloft, welche sind das? 


Erstens wünsche ich mir , dass careerloft für unsere Zielgruppen erfüllt, was wir versprechen: Kontakt auf Augenhöhe, direkte Kommunikation und somit die Beschleunigung der eigenen Karriere. Daran arbeiten wir intensiv.

Zweitens wünsche ich mir, dass careerloft sich nachhaltig erfolgreich entwickelt. Dazu gehört, dass unsere Partnerunternehmen einen großen Nutzen aus careerloft ziehen, dass careerloft mittelfristig auch international eine Rolle spielt und so die Grundlage für Wachstum bei uns selbst vorhanden ist.

Und drittens wünsche ich mir, dass careerloft weiterhin so viel Spaß wie bisher macht! Wir haben noch so viele Ideen, die auf ihre Umsetzung warten. Langeweile jedenfalls wird es bei careerloft definitiv nicht geben.

Was möchten Sie uns darüber hinaus noch erzählen?

careerloft soll insbesondere auch für Frauen eine spannende Adresse sein. Also: besuchen Sie uns im Web oder auf facebook. Registrieren Sie sich und profitieren Sie vom direkten Kontakt zu top Arbeitgebern.  Bei Fragen können Sie mich auch gern direkt kontaktieren. Vielen Dank!

Kontakt:                                                                                                                                              careerloft
web: www.careerloft.de
facebook: www.facebook.com/carerloft

Gero Hesse
mail: gero.hesse@medienfabrik.de                                                                                                                   Blog: www.saatkorn.wordpress.com

Herr Hesse, vielen Dank für dieses Interview und viel Erfolg beim Durchstarten mit careerloft!

Gero Hesse ist seit Januar 2011 Mitglied der Geschäftsleitung der Medienfabrik, der Marketing- und Kommunikationsagentur des Bertelsmann Konzerns im Unternehmensbereich arvato. Dort verantwortet er den Geschäftsbereich embrace (employer branding communication experts), der Unternehmen als „full service“ Anbieter in allen Fragestellungen rund um Employer Branding, Personalmarketing, Social Media, Rekrutierung und Befragungsprojekten berät und bei der strategischen Entwicklung und Konzeption von Employer Brands und in allen operativen Personalmarketingthemen unterstützt.

 

Posted in HR-PR, Interviews | Tagged , , , , , , | Leave a comment

Kommentare zur Initiative “Wir wollen in Führung”

Seitdem wir unsere Initiative am Start haben, bekommen wir nicht nur Stimmen, sondern auch Kommentare. Und was da an Material und Qualität zusammen kommt, ist zutiefst beeindruckend. Wie zum Beispiel derjenige, der vor wenigen Minuten abgegeben wurde:

“Liebe Unternehmen, schafft endlich wirklich familienfreundliche Arbeitsbedingungen (umfassende Arbeitszeitflexibilität, Home Office, Führung in Teilzeit ermöglichen, Vertretungsregelungen,  Eltern mit “Brüchen” im Lebenslauf einstellen, ausreichend Kitaplätze und Hortplätze für Grundschulkinder mit langen Öffnungszeiten anbieten, klares und konsequentes Bekenntnis zur Familienfreundlichkeit) und ihr werdet super ausgebildetes, hoch motiviertes Personal bekommen, das Höchstleistungen bringt und Euch treu bleibt.”

Genau das ist es. DANKE!

Und hier der Link zur Abstimmung… und zu weiteren Kommentaren.

 

Posted in HR-PR, Messen/Kongresse, Unternehmertum | Tagged , , , , | Leave a comment

Wenn ein Mann ein Buch über eine Vorstandsvorsitzende schreibt…

Gut, nun ist das nicht irgendein Mann. Sondern jemand, der mit 17 Abitur, mit 22 Diplom, mit 24 McKinsey-Berater, mit 31 Finanzvorstand bei VW und dann anschließend Vorstandsvorsitzender bei EnBW und Solar Millenium war. Die Rede ist von Utz Claassen,  der mit seinem Wirtschaftskrimi “Atomblut” ein in  vielerlei Hinsicht aufschlussreiches Buch geschrieben hat.

Mich interessierte vor allem der Blick hinter die Kulissen von Wirtschaft und Politik und wie Utz Claassen die Vorstandsvorsitzende Fabienne Felsenstein denken und handeln läßt.

Und da tauchen doch höchst verwertbare Inhalte auf wie beispielsweise ein Auszug aus Felsensteins Tagebuch, das wie ein Lexikon aufgebaut ist (ein guter Kniff im übrigen…). Hier assoziiert sie über Themen wie Konzernkultur, Akzeptanz, Machtdilemma, Verhandlungsdada und – jetzt kommt´s – Produktive Gruppen UND Produktiver Vorstand.

Zu Produktive Gruppen schreibt sie (pardon: er): ”…Gremien arbeiten effektiver, wenn sie heterogen zusammengesetzt sind: Männer, Frauen, verschiedene Herkünfte und unterschiedlicher Habitus, unterscheidbare Karrieren. Verschiedene Blickwinkel. Komplementäre Erfahrungen…”. (S.114)

Und zu “Produktiver Vorstand”: “…bitte nicht einen Haufen Männer, die mehrheitlich dasselbe studiert haben, am besten noch an derselben Fakultät und in derselben Stadt, und die zudem vielleicht sogar in derselben Partei sind. Unbedingt anders besetzen”…” (auch S.114)

Darum lohnt sich dieses Buch. Wegen solcher Sätze. Für Männer und Frauen. Aus Wirtschaft und Politik.

Posted in Unternehmertum | Tagged , , | Leave a comment

Initiative gestartet: “Wir wollen in Führung”

“Wollen Frauen überhaupt Führung übernehmen?” Diese Frage taucht in der aktuellen Diskussion um die Quote immer wieder auf.

Wir sind es Leid und finden, nicht die Frage OB Frauen führen wollen, sondern WELCHE Frauen dieses Ziel haben und WIE VIELE es sind, muss zukünftig im Fokus stehen.

Sind es bundesweit 10.000? Sind es 20.000 – oder vielleicht 50.000 und mehr? Wir wissen es nicht. Sie wissen es nicht – aber gemeinsam können wir es herausfinden!

Deswegen haben wir die Initiative “Wir wollen in Führung!” ins Leben gerufen und bitten alle Frauen, die Führungspositionen anstreben oder schon Führungsverantwortung haben oder noch höher hinaus wollen, um ihre Unterschrift.

Lassen Sie uns gemeinsam Fakten schaffen und der Politik und der Wirtschaft handfeste Zahlen an die Hand geben. Damit endlich nicht mehr das OB sondern das WIE im Mittelpunkt steht.

Die Zwischenergebnisse der Aktion “Wir wollen in Führung!” präsentieren wir am 5. Mai auf der women&work im Rahmen der Kongresseröffnung von 10-11 Uhr im Plenargebäude in Bonn.

Helfen Sie mit und zeigen Sie, dass Frauen in Führung wollen – und bitte empfehlen Sie diese Seite Ihren Freundinnen und Netzwerken weiter!

 

Posted in HR-PR, Öffentlichkeitsarbeit | Leave a comment

Von Nummerngirls, kleinen Cents, ehrbaren Kaufmännern und spannenden Unternehmen – Highlights vom Handelskongress 2011

“Vernetzt handeln. Global. Partnerschaftlich. Über alle Kanäle” – das war das Motto des diesjährigen Handelskongresses in Berlin, zu dem der HDE in diesem Jahr zum zehnten Mal eingeladen hatte. 1400 Teilnehmende erwarteten im Maritim-Hotel ein vielversprechendes Programm mit viel Polit- und Wirtschaftsprominenz.

Hier ein Auszug meiner Highlights:

Das Nummerngirl Tichy

Der Moderator Roland Tichy, normalerweise Chefredakteur der Wirtschaftswoche, empfahl sich beim Auftakt des Kongresses unter anderem auch als Nummerngirl,  was jedoch in diesem Fall eine neue Interpretation erfuhr.

Nicht nur optisch entsprach Herr Tichy weniger dem klassischen Bild, auch reichte es ihm nicht, lediglich nonverbal durch ein Schild die nächste Runde im Ring anzukündigen, sondern er boxte selbst und hoch vergnüglich verbal mal in die eine oder andere Richtung. Als er beispielsweise die Ministerin Schröder ankündigte, sagte er, sie sei ja für alle zuständig, die heute hier nicht so vertreten seien wie etwa Frauen, Kinder, Senioren usw., was die Ministerin gleich zu Beginn ihrer Rede aufgriff: “Ich bin für alle zuständig, außer für mittelalte kinderlose Männer.” Dies griff wiederum Tichy auf und empfahl sich als künftiger Minister für eben diese Zielgruppe. Auch sprach er knifflige Situationen an und fragte Frau Schröder, ob man nicht bei einem gepflegten Abendessen den leidigen Konflikt zweier Ministerinnen derselben Partei zum Thema Quote beseitigen könne.

Wie ein roter Faden zog sich die launige, pointierte, kurzweilige Moderation durch die beiden Kongresstage.

Der Auftritt des Herrn Schrader

“Wer hat Sie denn am ersten Kongresstag besonders fasziniert” war meine Frage an viele Teilnehmende und die einhellige Antwort lautete: Der OTTO-Chef. Kein Wunder, denn nicht nur die Inhalte seiner Rede über Führungskultur und Führungsprinzipien waren herausragend, sondern auch die Authentizität, mit der der Vorstandsvorsitzende Hans-Otto Schrader seine Botschaften formulierte.

Richtiges Führungsverhalten beleuchtete er anhand von Fehlverhalten wie beispielsweise mangelndes Vertrauen in andere, Entscheidungsschwäche, Zulassen von Intrigen und Unberechenbarkeit.

“Die Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht umgekehrt”, so sein klares Credo. Und zum Thema Mitarbeiter: “Wir brauchen in unserem Unternehmen Persönlichkeiten, die intelligent, leidenschaftlich und sympathisch sind und die Verantwortung übernehmen wollen”. Zum Abschluss seiner Rede präsentierte er einen Film, der die Haltung der OTTO-Group zum Thema “Verantwortung” pfiffig auf den Punkt brachte und der damit endete: “Die meisten wollen keine Verantwortung übernehmen. Wir schon.”

Hans-Otto Schrader, der einzige Vorstandsvorsitzende, der das Unternehmen schon im Namen trägt, so Tichy, zeigte eindrucksvoll, wie innovativ und kreativ OTTO ist. Diesen Chef auf der Bühne live zu erleben und zu denken: “Was für ein spannendes Unternehmen und was für eine tolle Führungspersönlichkeit” – mehr kann ein Vortrag nicht bewirken.

Kleine Cents und Vertrauen in die große Wirkung

Der Zufall wollte es, dass ich beim letzten Handelskongress bei der Abendveranstaltung am selben Tisch mit Christian Vater saß und wir ins Plaudern kamen. Auf die Frage, was er denn so mache, erzählte er von seinen Plänen zu “Deutschland rundet auf”. Das Prinzip dahinter: Wenn beim Einkauf etwa €28,36 fällig werden, rundet das Kassensystem automatisch auf € 28,40 auf. Vorausgesetzt, Sie sagen als Kunde: “Aufrunden, bitte.” Die gespendeten Cents fließen zu 100 Prozent in soziale Projekte.

Schon damals fand ich die Idee großartig, nur war ich mir nicht sicher, ob sich Herr Vater damit durchsetzen würde. Es hatte etwas von “Nur noch kurz die Welt retten.” Umso gespannter war ich also auf seinen Auftritt beim diesjährigen Handelskongress, der mich jedoch nachdenklich machte.

Als PR-Frau bin ich nach wie vor fasziniert von der simplen Idee, von der Kraft der Durchsetzung, vom Timing, vom möglichen positiven Imagefaktor für die beteiligten Unternehmen, von der professionellen Machart des Videos zur Kampagne oder der strategischen Einbeziehung von hochkarätigen Kooperationspartnern aus Wirtschaft und Gesellschaft.

Die spannende Frage wird sein, ob die Menschen Vertrauen in die Stiftungsarbeit und die handelnden Personen haben werden und damit die Aktion zum Selbstläufer wird. Glaubwürdigkeit und Transparenz sind dabei die beiden Säulen, auf denen die Stiftungsarbeit basieren muss. Die Öffentlichkeit ist jetzt hergestellt und es bleibt zu beobachten, wie sich der Satz: “Aufrunden, bitte” an den Kassen behaupten wird.

Die Kanzlerin und der ehrbare Kaufmann

Aufregung machte sich am zweiten Kongresstag kurz nach dem Mittagsimbiss breit: “Die Kanzlerin kommt”. Mit Stolz empfing der HDE-Präsident Josef Sanktjohanser Frau Merkel und zollte ihr zunächst Respekt und Anerkennung für ihr Wirken und ihr Engagement in Brüssel. “Der Handel steht zu Europa und dem Euro”, so Sanktjohanser und verstärkte: “Der Euro ist nicht das Problem, es ist die unsolide Haushaltspolitik einiger Euro-Länder, die den politischen und wirtschaftlichen Erfolg des Euro gefährden.”

Frau Merkel zollte zunächst den Handelnden Respekt: Im Krisenjahr habe der Einzelhandel trotz Umsatzrückgang seinen Personalbestand gehalten und sich zu einem Stabilitätsfaktor entwickelt. Nach einem flammenden Bekenntnis zu Europa legte sie ein klares Veto gegen die Ampel ein und bekam Applaus für den entsprechenden Satz: “Uns ist es lieber, der Kunde hat die Qual der Wahl, als dass durch Werbeverbote und Sonstiges dauerhaft irgendetwas eingeschränkt wird. Auch die Frage, was gut ist und was schlecht ist – das ist ja oft auch von der Dosis abhängig – muss nicht überall mit Riesenampeln und dergleichen beantwortet werden. Ich bin da außerordentlich vorsichtig und finde, wir sind eine mündige Gesellschaft.”

Was sich nicht ändern dürfe sei das Bild des ehrbaren Kaufmanns und plädierte für die Regulierung der Finanzmärkte. Sprach´s und verschwand wieder, umringt von unzähligen Sicherheitsleuten. Beeindruckend, dieser Gesamtauftritt.

Und weitere Highlights:

  • Die zunehmende Fokussierung der Händler auf die Themen Mitarbeiter, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Quote  (wie auch immer) und soziale Netzwerke.
  • Der Kaufhof-Chef Lovro Mandac, der selbstkritisch darauf hinwies, dass es immer noch viel zu wenig Frauen in Führungspositionen gibt und dies am aktuellen Beispiel HDE-Delegiertenversammlung belegte.
  • Der Henkel-Marketing-Direktor Frank Horn, der Abstand davon nahm, im eigenen Internetauftritt über Produkte zu reden sondern vielmehr Geschichten zu erzählen und relevante Inhalte mit der Brille der Nutzer zu liefern.
  • Der Globetrotter-Chef Thomas Lipke, der mit Leidenschaft über Träume und Ausrüstung sprach.
  • Der Görtz-Chef Christoph von Guionneau, der auch Männer davon begeistern will, dass guter Geschmack nicht bei den Socken aufhört.
  • Die professionelle Moderatorin der Abendveranstaltung Corinna Lampadius.
  • Die tolle Organisation des Management-Forum-Teams rund um Stefanie Pracht.

Zum Schluss:

In seinem Generationen-Vortrag sagte Lovro Mandac: “Kunden muss man locken, Fans kommen von selbst. Kunden geben ihr Geld, Fans geben ihr Herz. Kunden suchen Rabatte, Fans Leistung. Kunden wechseln, Fans bleiben.”

Doch wie gelingt es, aus Kunden Fans zu machen? Und noch einen Schritt weiter: Wie gelingt es, aus Mitarbeitern Fans zu machen?

Die Antwort ist einfach: Mit professioneller Öffentlichkeitsarbeit, die alle Kanäle bedient und miteinander vermischt. OTTO macht es vor, sich immer wieder ins Gespräch zu bringen, gesuchte Zielgruppen auf sich aufmerksam zu machen, als Beispiel sei hier nur der berühmte Fallschirmsprungfilm genannt. Hierüber wird gesprochen und darüber kommen Menschen zum Unternehmen, als Kunde und als Mitarbeiter. Hier wird die Klaviatur professioneller Öffentlichkeitsarbeit beherrscht und Unternehmensstrategie mit Personal- und Kommunikationsstrategie zusammen gedacht und strategisch gesteuert.

Von diesen Beispielen wünschte ich mir noch viel mehr, vielleicht ja beim nächsten Handelskongress. Ich freu mich drauf!

Posted in HR-PR, Messen/Kongresse, Öffentlichkeitsarbeit, Unternehmertum | Tagged , , , , , , , | Leave a comment

Mehr PR für HR dringend nötig

“PR für HR – eine junge Disziplin etabliert sich…” so der Beginn des Klappentextes des Buches “Personalkommunikation – Interne und externe Öffentlichkeit für HR-Themen gewinnen”, herausgegeben von Wolfgang Jäger und Lothar Rolke. Die beiden BWL-Professoren plädieren für eine strategisch ausgerichtete Personalkommunikation in Unternehmen als Verbundaufgabe zwischen HR- und Kommunikationsbereichen. Personalabteilungen sind hier gefordert, die eigene Kommunikationsfähigkeit zu steigern und ihre Arbeit sichtbarer und mutiger nach innen und außen zu präsentieren.

Warum sie für ihr Thema brennen, wie sie die Zukunft des Themas sehen und welche Unternehmen hier schon vorbildlich unterwegs sind haben beide hier im exclusiven Interview beantwortet:


Warum brennen Sie für das Thema „Personalkommunikation“?

Prof. Lothar Rolke: Weil Mitarbeiter bei fast allen Unternehmen die wichtigste Ressource sind und Kommunikation der Nährboden für Erfolg ist. Nur wer sich richtig mitteilt, kann Erfahrungen und Ziele teilen.

Prof. Wolfgang Jäger: Die Themen, Funktionen und Begriffe „Personal“ und „Kommunikation“ sind untrennbar mit einander verbunden. In den letzten Jahren stand regelmäßig die „Personalfunktion“ im Vordergrund – also vornehmlich die Innenschau i. S. v. sind Personaler „Business oder Strategischer Partner“, Strukturen und Prozesse wurden optimiert. Eine Außenschau mit Blick auf die Stakeholdergruppe „Mitarbeiter“ fand – wenn überhaupt – nur mittels Personalmarketing und Arbeitgeberkommunikation statt.
Aber um das Image und die Reputation der Personalfunktion ist es insgesamt in seiner Innen- und Außenwahrnehmung nicht gut bestellt. Hier ist mehr „PR für HR“ dringend nötig. Die aller meisten HR-Bereiche haben keine eigene Kommunikationsstrategie, d.h. haben sich keine Gedanken gemacht über ihre eigenen Positionierung und ihre Wahrnehmung. Warum soll HR nicht zur „Marke“ werden mit allen Chancen für die eigene Markenkommunikation?
Nicht zuletzt „krankt“ die Personalkommunikation an der fehlenden Visibilität der Personalmanager. Kommunikatoren wissen: Themen brauchen „Geschichten“ und „Geschichten“ brauchen „Gesichter“. Heißt: Personaler müssen ihre Themen, aber auch sich selbst ins „Licht der Öffentlichkeit rücken“. Eine redaktionelle Berichterstattung zu einem Personalthema über die Medien ist regelmäßig um ein vielfaches wirkungsvoller als reine „HR-Imagewerbung“.

Wie sehen Sie die Zukunft dieses Themas?

Prof. Lothar Rolke: Personalkommunikation wird sich beständig entwickeln, nicht sprunghaft. Aber je dynamischer sich die Situation für Unternehmen entwickelt, desto größer ist der Bedarf an Verständigung mit den Mitarbeitern, also an Kommunikation.

Prof. Wolfgang Jäger: Die Öffentlichkeit interessiert sich nun stärker für Personalthemen. Personaler müssen hier nicht nur situativ Rede und Antwort stehen, sondern müssen auch über den gesamten Medienmix aus Print und Online die Personalkommunikation aktiv mitgestalten. Dies gilt insbesondere für den HR-Webauftritt, den „revitalisierten“ Personal- und Sozialbericht ggfs. CSR-Bericht und weiterhin für das Inranet und die Mitarbeiterzeitschrift – egal ob Print oder Online.
Nicht zuletzt haben schon einige Unternehmen den Bedeutungszuwachs von Personalkommunikation erkannt und setzen dafür Spezialisten ein. „Verortet“ sind diese Spezialisten entweder im Bereich Unternehmenskommunikation und/oder HR.

Welche Unternehmen sind hier schon „vorbildlich“ unterwegs?

Prof. Lothar Rolke: Ich möchte gar keine Unternehmen besonders herausheben. Wichtiger ist, dass wir bei vielen Unternehmen interessante Ansätze beobachten – egal ob dafür HR, die Interne Kommunikation oder eine eigenständige Schnittstelle verantwortlich zeichnet. Besonders das Internet wird die Unternehmen zwingen, Mitarbeiter zu Markenbotschaftern und Innovationsscouts zu machen. Auch das ist eine Aufgabe der Personalkommunikation, die hier Berührungspunkte mit dem Marketing hat.

Prof. Wolfgang Jäger: Ohne eine Rangfolge zu nennen bzw. vollständig zu sein, fallen mir einige Unternehmen spontan ein, die auch in unserem gerade erschienenem Buch „Personalkommunikation“ mit eigenen Beispielen vertreten sind.
Neben der Deutsche Telekom sind für mich die Allianz, der Otto-Versand, Continental aber auch die ING-DiBa in den verschiedenen Fassetten der Personalkommunikation schon gut unterwegs.


Herr Prof. Rolke, Herr Prof. Jäger, herzlichen Dank für dieses Interview
.

Link zum Buch

Posted in HR-PR, Interviews, Kommunikation | Tagged , , , | Leave a comment

Intern vor extern-Kommunikation bei McDonald´s

“Wer Helga ruft, muss auch darauf vorbereitet sein, dass sie kommt.” Wenn Unternehmen gezielt in der Öffentlichkeit Bewerber ansprechen, muss vorher entsprechend intern informiert und der Weg bereitet sein. Denn sonst kann passieren, woraus McDonald´s lernte. Eine Kampagne hatte die im Vorfeld definierte ältere Berwerberzielgruppe so gut erreicht, dass plötzlich viele “Helgas” in die Filialen strömten.
Interne und externe Kommunikation zusammen denken und strategisch steuern ist die Devise. “Wenn intern nicht vorbereitet und vermittelt wurde, was extern kommuniziert wird, geht das zulasten der Glaubwürdigkeit”, so Wolfgang Goebel, Personalvorstand bei McDonald´s hier im exclusiven Interview. Auch beantwortet er eine Frage, die ihm noch nie gestellt wurde, beschreibt Herausforderungen und Stolpersteine und bestätigt wieder einmal mehr den Eindruck eines sehr ehrlichen, menschlichen, authentischen und professionellen Personalvorstands.

Was bedeutet es für Sie persönlich, Personalvorstand bei McDonald´s zu sein?
Als Personalvorstand kann ich Themen angehen und Projekte umsetzen, die mir am Herzen liegen. So kann ich Schwerpunkte und Akzente setzen, die meiner Überzeugung zur Zukunftsfähigkeit des Unternehmens maßgeblich beitragen.

Die Menschen, die in unserem Unternehmen arbeiten sind ein ganz wichtiges Element unserer Zukunftsfähigkeit. Deshalb liegen meine aktuellen Schwerpunkte einerseits im Bereich Weiterbildung und Qualifizierung und andererseits im Bereich Recruiting. Für mich persönlich ist es wichtig, dass die Mitarbeiter sich nach ihren Fähigkeiten und Neigungen entwickeln können – seien es bereits qualifizierte Kräfte oder Auszubildende.

Was sind die aktuell größten Herausforderungen für Sie als Personalvorstand bei McDonald´s?
Große Themen sind für mich der demografische Wandel und damit einhergehend das Thema Gesundheitsmanagement. Die Bevölkerung in unserem Land wird immer älter und mit ihr auch unsere Mitarbeiterschaft. Das stellt uns vor neue Herausforderungen: Wir haben es zunehmend mit anderen gesundheitlichen Problemen zu tun, wie psychischen Beeinträchtigungen oder altersbedingten Erkrankungen, die von uns als Arbeitgeber neue Lösungen verlangen. Lebensarbeitszeitkonten ist ein weiteres Thema, aber auch seitens jüngerer Mitarbeiter Teilzeitlösungen für Pflegefälle in der Familie. So bieten wir beispielsweise inzwischen für diesen Fall unterstützende Beratung für unsere Mitarbeiter.

Auf der anderen Seite bedeutet der demografische Wandel auch ein anderes Denken im Recruiting. Wie man in unserer Kampagne gesehen hat, arbeiten bei uns auch ältere Menschen gerne. Als die Kampagne lief, in der auch die 65-jährige Helga auftrat, bewarben sich plötzlich sehr viel mehr vor allem ältere Frauen. Die Restaurants waren von den Best Ager-Bewerbungen zum Teil überrumpelt. Hier müssen wir noch stärker intern informieren, was wir kommunizieren und welche Folgen dies für die Restaurants haben kann. Aber auf der anderen Seite zeigt es: Kommunikation hat einen enormen Einfluss auf die Wahrnehmung eines Unternehmens als Arbeitgeber.

Was sind die größten Erfolge, aber auch Stolpersteine Ihrer bisherigen Amtszeit?
Ein großer Erfolg war die Einführung der „Fachkraft im Gastgewerbe in der Systemgastronomie“ – nicht nur für McDonald’s sondern auch für die gesamte Branche der Systemgastronomie. Die vor rund einem Jahr etablierte Ausbildung zur Fachkraft wendet sich speziell an Jugendliche mit Hauptschulabschluss. Häufig sind gerade diese nicht ausreichend für das Berufsleben qualifiziert – mit einer auf ihre Qualifikationen zugeschnittenen Ausbildung eröffnen wir ihnen einen fundierten Berufseinstieg. Das ist wichtig, denn die gegenwärtige Situation der Schulabgänger ist dramatisch: Fast jeder zweite ist laut Berufsbildungsbericht nicht ausbildungsreif. 250 Hauptschüler haben im ersten Jahr eine Ausbildung bei McDonald’s begonnen, diese Zahl wollen wir 2011 noch einmal deutlich erhöhen.

Ein zweiter großer Erfolg ist unsere Mitarbeiter-Kampagne, die zeigte, wie viele unterschiedliche Menschen bei McDonald’s arbeiten und warum sie hier sehr gerne arbeiten. Der zweite Kampagnenflight fokussierte dann das Thema Chancengleichheit – bei uns hat jeder eine Chance unabhängig von Herkunft, Alter, Bildungsstand oder sozialem Status. Unsere Marktforschung hat gezeigt: Die Kampagne hat großen positiven Einfluss auf unsere Wahrnehmung als Arbeitgeber genommen und erfolgreich hartnäckige Vorurteile adressiert.

Zum Stolperstein: Als ich vor drei Jahren als Personalvorstand berufen wurde, dachte ich zunächst: Kein Problem – Personal kann jeder. Denn ich komme ursprünglich nicht aus dem Personalbereich. Doch ich hatte die Komplexität des Personalbereichs unterschätzt. Ich habe dann schnell reagiert, mich für 3 Monate aus dem operativen Geschäft herausgezogen, mich beraten lassen und fit in Sachen HR gemacht. Es ist enorm wichtig, dass man sich kontinuierlich weiterbildet.

Braucht HR PR?
Kommunikation ist zentral für Human Ressources – sowohl interne Kommunikation als auch externe Kommunikation. Mit Kommunikation steuert man sowohl nach innen wie nach außen die Wahrnehmung als Arbeitgeber und kann gezielt Themen adressieren und Schwerpunkte setzen. Dabei gilt: intern vor extern. Wenn intern nicht vorbereitet und vermittelt wurde, was extern kommuniziert wird, geht das zulasten der Glaubwürdigkeit.

Klar ist auch: Was man kommuniziert muss man dann auch einlösen. Wir kommunizieren zum Beispiel mit unserer Mitarbeiterkampagne in Richtung Medien, Politik und breite Öffentlichkeit, dass wir für Chancengleicheit und Leistungsgerechtigkeit stehen. Wenn wir dieses Versprechen nicht einlösen würden, wären wir damit auch nicht glaubwürdig.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist Transparenz. Sie ist in Zeiten von Social Media wichtiger als je zuvor. Nicht nur Verbraucher tauschen sich im Netz aus, auch Mitarbeiter schreiben über und bewerten Unternehmen als Arbeitgeber. Kommunikation kann hier die notwendige Transparenz und damit Glaubwürdigkeit herstellen, die man braucht, um diese digitalen Foren als Multiplikatoren zu nutzen.

Kommunikation bietet damit einerseits enorme Chancen für die Arbeitgebermarke und –wahrnehmung, andererseits stellt sie gleichzeitig auch hohe Anforderungen an Unternehmen. Denn sowohl Mitarbeiter als auch Öffentlichkeit werden sie im Zweifelsfall beim Wort nehmen.

Welche Frage ist Ihnen noch nie gestellt worden, auf die Sie aber gerne antworten würden und wie sähe die Antwort dann aus?
Welchen Grad an Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen braucht man in Management-Funktionen? Man braucht beides, aber auch hier gilt wie in vielen anderen Bereichen: Das richtige Maß ist entscheidend. Das Selbstbewusstsein braucht man, um zu seinen Überzeugungen stehen zu können und für sie zu kämpfen, das Durchsetzungsvermögen, um auch für Ergebnisse stehen zu können. Im Übermaß schlägt beides leicht in Überheblichkeit um, die dann wiederum kontraproduktiv ist. Bei McDonald’s leben wir im Vorstand glücklicherweise ein verständnisvolles Miteinander und legen viel Wert auf offenen und regelmäßigen Austausch. Das ist sicherlich mit ein Grund für den großen Erfolg des Unternehmens im deutschen Markt.

Herr Goebel, herzlichen Dank für dieses Interview.

Link zu Image Award: Größter Image-Wandel

Link zum Helga-Video

Posted in HR-PR, Interviews | Tagged , , , , , | Leave a comment

Von Wahrnehmungszwergen, Rittern und Leistungsriesen – Highlights vom Handelskongress

Inspirierend, inhaltsvoll, hochkarätig besetzt und stellenweise würzig gespickt mit dem ein oder anderen Seitenhieb auf Mitbewerber und Politik – das war der Kongress, zu dem der HDE die Branche nach Berlin ins Maritim geladen hatte. Es ging um Aufschwung des Handels, gelungenes Krisenmanagement, Chancen und Herausforderungen für die Zukunft, schillernde Beispiele gelungener Unternehmensführung und Preisverleihungen an herausragende Menschen.

Hier ein Auszug meiner Highlights:

Die drei Konzernchefs am ersten Kongresstag:
Erst jüngst titelte der Focus über den Rewe-Chef Alain Caparros “Ich lasse keinen Kampf aus”. Er neige zu spöttischen Kommentaren, würdige mit beißender Ironie die ´Anstrengungen` der Konkurrenz und sein Lieblingsziel sei hier Eckhard Cordes. Vom Wahrheitsgehalt dieser Aussagen konnten sich die Teilnehmenden des Kongresses dann selbst überzeugen.

Zunächst betrat Metro-Chef Eckhard Cordes die Bühne und sprach über den Leistungsriesen Handel, der jedoch immer noch als Zwerg wahrgenommen würde. Neue Formate, Shape 2012, Ausbildung, Kundenorientierung und Nachhaltigkeit standen im Zentrum seiner Rede: “Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have sondern ein Must-Have, ökologische und soziale Kennziffern werden nachgefragt.”

Alain Caparros war der nächste Redner und stieg gleich ein in den Seitenhieb-Ring: “Ich habe gar nicht damit gerechnet, hier den Nachhaltigkeitspapst zu treffen”, so seine spontane Reaktion auf seinen Vorredner und skizzierte gleich im Anschluss, dass die Vorstände der drei größten Handelskonzerne ja im Programmablauf aufgereiht seien wie bei einer Perlenkette. Auch erinnere ihn dies an Dürer´s Werk “Ritter, Tod und Teufel”, wobei die Rollen unter den Vorstandskollegen noch nicht abgestimmt seien. Doch jeder im Publikum hätte sicherlich dazu eine eigene Meinung. Beim Thema Ausbildung bedauerte er, dass Herr Cordes nicht mehr im Raum war und trumpfte stolz mit der Zahl 10.000 auf. Im weiteren sprach er von der Nachfrage nach menschlichen Märkten, der Einbeziehung aller fünf Sinne im Ausrichten des Handel(n)s, echter Herzlichkeit und grenzte dies deutlich ab zu Freundlichkeit und Ratgebern wie “Freundlichkeit in sieben Schritten”. Sein Plädoyer für anderes Handeln mündete in dem Satz “Emotionalität ist die höchste Effizienz”.

Der Edeka-Chef Markus Mosa nutzte die Gunst der Stunde beim Thema Ausbildung, addierte die beiden vorgenannten Zahlen und formulierte dann genüsslich: “Wir haben bei uns mehr als 17.000 Auszubildende.” Im Vergleich zu der beeindruckenden emotionalen Kampagne “Wir lieben Lebensmittel” waren die Themenblöcke in diesem Vortrag eher sachlich und politisch fordernd in die Richtungen Sozialversicherung, Energie und verlässliche Rahmenbedingungen.

Die Preisträger am Abend:
Emotional wurde es dann wieder am Abend, als die Preisverleihungen in den Kategorien “Managementleistung filialisierte Großbetriebe”, “Managementleistung Mittelstand” und “Lifetime Award” anstanden. Es ging gleich los mit Edeka, bzw. dem Frischecenter Zurheide KG bzw. mit der Familie Zurheide, die mit ihren sieben Lebensmittelsupermärkten im Ruhrgebiet in eine neue, in jeder Hinsicht frische Dimension des Einzelhandels aufgebrochen waren und damit nun ausgezeichnete Maßstäbe für super Märkte setzten. Stellvertretend für die Familie, die sich zur Zeit noch im Familienurlaub in Dubai befindet, nahm der Chef des Unternehmens, Heinz Zurheide, den Preis voller Freude und Stolz dankend an.

Mindestens genau so froh und stolz wirkte der zweite Preisträger des Abends: der energiegeladene, faszinierende Fressnapf-Gründer Torsten Toeller, der gleich sein ganzes Führungsteam und seine Frau mit auf die Bühne nahm. Mit sprühender echter Herzlichkeit bedankte er sich bei allen, die diesen Preis erst möglich gemacht haben: seinen Mitarbeitern und der Jury. Und dann dankte er seiner Frau dafür, dass sie ihm stets den Rücken stärkt und ihm die Kraft für sein Tun gibt und dass sie ihm eine so wunderbare Tochter geschenkt hat. Spätestens bei diesem Moment war Emotion pur im Saal und ich dachte nur: “Was für eine Unternehmerpersönlichkeit mit wunderbarem Vorbildcharakter!”

Der dritte Höhepunkt des Abends war die Übergabe des Lifetime-Awards an den Visionär und Querdenker Götz Werner, der bei seiner Dankesrede unter anderem auch den Satz sagte, auf den ich schon den ganzen Tag gewartet hatte: “Meine Mitarbeiter sind meine Kunden”. Dass dieses Denken und das darauf ausgerichtete Handeln auch erfolgreich ist, beweisen die Geschäftsbilanzen und die zahlreichen Auszeichnungen, gekrönt nun vom Handelspreis für das Lebenswerk.

Der Auftritt des Herrn Fox am zweiten Kongresstag:
Es war in der letzten Zeit nicht immer davon auszugehen, dass die Teilnehmenden des diesjährigen Handelskongresses in den Genuss eines Vortrages kommen, bei dem es um eine rosige Zukunft Karstadt geht. Nicht ganz ohne Stolz verkündete der Warenhaus-Chef Thomas Fox ein um 3% größeres Wachstum als die Konkurrenz Kaufhof und zeichnete das Warenhaus der Zukunft. Der Standort “Grüne Wiese” habe verloren, die Relevanz der Innenstädte steige wieder, der Markt wachse. “Es ist wie bei der Flut, sie hebt alle Schiffe.” Es gilt, hoch interessante Kundengruppen mit hoch interessanten neuen Kollektionen gezielt zu werben.

“Vom Warenhaus zum Kundenhaus” ist eine seiner Devisen und dass er Händler durch und durch ist, bewies auch der kleine Hinweis darauf, dass sich alle im Saal sehr gerne an der Refinanzierung beteiligen können, indem sie auf dem Nach-Hause-Weg noch kurz im KaDeWe vorbeischauen. Zudem nutzte er die Gelegenheit, Talente an(ab)zuwerben: “Wir suchen Leute, die in der Champions League mitspielen wollen” und zeigte dazu ein Chart mit seinen Kontaktdaten inklusive Telefonnummer. Zum Abschluß präsentierte Thomas Fox ein Video, das maßgeblich von den eigenen Azubis mitgestaltet wurde und auf humorvolle und gut gemachte Art und Weise junge Menschen für Karstadt gewinnen will.

Und weitere Highlights:
Die humorige, pointierte Moderation von Roland Tichy, die Referenten, die nicht Charts vorlasen, sondern lebendig und informativ die Brücke zu ihrem Publikum bauten, die professionelle Organisation des Management-Forum-Teams rund um Stefanie Pracht, das Zeitmanagement, der Service rund um Essen und Trinken und die professionelle Moderation von Corinna Lampadius. Mein Dank an alle, die vor und hinter den Kulissen dafür gesorgt haben, dass wir mit allen fünf Sinnen einen spannenden Kongress erleben durften.

Zum Schluss:
Im Strategieforum “Werttreiber nachhaltige Unternehmensführung” wurde die Frage diskutiert, wo der Wettbewerbsvorteil und der betriebswirtschaftliche Nutzen beim Thema “Nachhaltigkeit” liege und auch hier waren zusammengefasst die Antworten: “Der Kunde wird es honorieren.”

Kein Wort darüber, dass auch die Mitarbeiter spüren, wenn echtes ehrliches nachhaltiges Engagement ausgedacht, umgesetzt und gelebt wird. Dass sie sich dann wohlfühlen, gerne und gut dort arbeiten und anderen davon erzählen.

Kein Wort darüber, dass potentielle Mitarbeiter sich durch ein solches Engagement angesprochen fühlen und gerne auch dort arbeiten würden, was im Wettbewerb um die besten Talente ein entscheidender Faktor ist.

Kein Wort darüber, dass Analysten und Aktionäre diese Kriterien auch in ihre Waagschalen geben.

Und kein Wort darüber, wie wichtig das enge und gute Zusammenspiel aus Unternehmenstrategie, Personalstrategie und Kommunikationsstrategie ist.

Darum halte ich es jetzt mit Sepp Herberger: “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel” und fände es großartig, wenn diese Themen im Focus des nächsten Kongresses stünden.

Mit strategisch geplanter und klug kommunizierter gleichzeitiger Mitarbeiter- und Kundenorientierung vom Wahrnehmungszwerg zum Leistungsriesen – damit wären die Ritter gut gerüstet.

Posted in HR-PR, Messen/Kongresse | Tagged , , , , , , , , , , , , | Leave a comment

Danke, Herr Schäuble.

Wer hätte das gedacht? Da sorgen Sie (zwar unbeabsichtigt) mit aller Macht dafür, dass mein Thema “Personalarbeit und Öffentlichkeitsarbeit” einen so gewaltigen Auftrieb bekommt.

Alle Medien haben Ihren öffentlichen AufTritt vor 50 Journalisten, bei dem Sie “vielleicht” überreagiert haben, aufgegriffen. Erst noch etwas verhalten, doch dann brach es wie eine Lawine über alle Print- und Online-Medien. Es wurde und wird darüber getwittert, gefacebookt, geblogt, Pro- und Contra-Positionen ausgetauscht und über allem steht das Thema “FÜHRUNGSKULTUR”.

Herr Schäuble, ich will Danke sagen. Vielleicht haben Sie ja mit Ihrer “Geschichte” dafür gesorgt, dass es nachhaltige Auseinandersetzungen in den Verwaltungs- und Wirtschaftsführungsetagen über die Gretchenfragen geben wird: “Wie halte ich´s denn mit meinen Mitarbeitern? Führe ich wertschätzend? Und kann ich es mir wirklich leisten, in der heute so vernetzten digitalen Welt schlecht mit meinen Mitarbeitern umzugehen?”

Wenn dies erreicht werden würde, Herr Schäuble, dann hätte sich Ihre Aktion wirklich gelohnt. Ich freue mich jedenfalls sehr darüber, wie an Ihrem Beispiel doch wieder klar wird, wie eng Personalarbeit und Öffentlichkeitsarbeit miteinander verknüpft sind und wie wichtig es ist, dies zusammen zu denken und strategisch zu steuern. Und zwar vorher.

Posted in HR-PR | Tagged , , , , | Leave a comment