Nach innen leben, was man nach außen verspricht – Interview mit Dr. Elke Frank von Microsoft

Wenn ein Unternehmen herrausragende Personalarbeit macht und damit eine riesige mediale Aufmerksamkeit erzielt, schlägt mein Herz immer ganz besonders aus. Die Rede ist von Microsoft und der neuen Betriebsvereinbarung zum Vertrauensarbeitsort. Ich wollte wissen, welche Menschen hinter den Ideen stehen und sie erfolgreich umsetzten. Und so saß ich im Publikum, als Dr. Elke Frank, Senior Director Human Resources und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland ihren Vortrag auf der Messe Zukunft Personal hielt.Dr. Elke Frank, Microsoft

Ihr Thema: Strategische Position des HR-Managers und die Funktion moderner Technologien in der neuen Welt des Arbeitens. Es war faszinierend, wie Elke Frank den Microsoft-Weg beschrieb und auf welch positive Resonanz sie damit im Publikum stieß. “Bei Ihnen möchte ich arbeiten” war ein spontanes Feedback auf diesen Vortrag. Ich wollte noch mehr wissen und bat sie um ein Interview. Und hier ist es:

In Ihrem Unternehmen spielt es künftig keine Rolle mehr, wo jemand arbeitet. Jeder entscheidet selbst, ob lieber im Büro oder woanders. Vertrauensarbeitsort heißt das Stichwort. Wie ist diese Idee entstanden?

Flexibles Arbeiten gehört bei Microsoft längst zum Alltag und wird von rund 90 Prozent unserer Mitarbeiter genutzt. Dabei sind die Modelle durchaus unterschiedlich, denn jeder Mitarbeiter entscheidet selbst, wo und wann er arbeitet. Bereits 1998 haben wir eine Betriebsvereinbarung zur „Vertrauensarbeitszeit“ eingeführt. Auch der „Vertrauensarbeitsort“ ist bei uns schon lange gelebte Praxis, nur gab es bisher keinen rechtlichen Rahmen dafür. Diesen haben wir mit unserer neuen Betriebsvereinbarung geschaffen.

Das Thema “Vertrauensarbeitsort” hat zu einer Flut von Veröffentlichungen in allen Medien geführt und ist ein riesiger PR-Erfolg. Manager Magazin, Bild, Focus, Computerwoche, Welt, Spiegel… alle haben darüber berichtet. Hat Sie dieser mediale Wirbel überrascht?

Es ging uns bei der Betriebsvereinbarung nie darum, einen medialen Wirbel zu entfachen. Im Mittelpunkt stand, mehr Klarheit für unsere Mitarbeiter mit Blick auf flexibles Arbeiten zu schaffen. Die Resonanz in der Öffentlichkeit war aber insofern nicht ganz überraschend, da es in Deutschland eine vergleichbare Vereinbarung bisher nicht gab und wir mit unserer Betriebsvereinbarung etwas völlig Neues geschaffen haben.

Sind die Auswirkungen dieser Veröffentlichungen bereits jetzt spürbar und messbar, beispielsweise durch die Schlangen an Bewerbern, die jetzt bei Microsoft arbeiten wollen?

Microsoft zählt schon seit Jahren zu einem der attraktivsten Arbeitgeber, was sich unter anderem in der Auszeichnung als „Deutschlands bester Arbeitgeber“ durch das Great Place to Work Institut bestätigt. Flexible Arbeitsmodelle spielen immer eine zentrale Rolle bei uns und wurden nicht erst mit der aktuellen Betriebsvereinbarung eingeführt. Dadurch sind wir auch schon lange für neue Talente ein sehr interessantes Unternehmen.

Gab es auch Resonanz Ihrer Kunden darauf und wenn ja, wie sah sie aus?

Zahlreiche andere Unternehmen – darunter auch viele unserer Kunden – fragen inzwischen bei uns an, um mehr über unsere Erfahrungen mit flexiblen Arbeitsmodellen und deren Umsetzung zu erfahren.

Und wie ist das Feedback aus den eigenen Reihen?

Die Rückmeldungen unserer Mitarbeiter auf die Betriebsvereinbarung sind durchweg positiv, denn wir klären damit viele offene Fragen zu den rechtlichen Grundlagen flexibler Arbeitsmodelle. Damit sich alle Interessen unserer Mitarbeiter in der Vereinbarung wiederfinden, haben wir sie gemeinsam mit dem Betriebsrat entwickelt.

Kunden, Mitarbeiter und Bewerber zu Fans machen – wie wichtig ist dabei die Klaviatur professioneller Öffentlichkeitsarbeit?

Eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit spielt beim Thema Employer Branding natürlich eine wichtige Rolle. Young Professionals und High Potentials müssen wissen, was Microsoft als Arbeitgeber so attraktiv macht. Uns ist dabei wichtig, dass wir Themen besetzen, die wir auch wirklich belegen können. Denn gerade in Zeiten sozialer Medien verlieren Unternehmen schnell an Glaubwürdigkeit, wenn sie ihre Außendarstellung nicht auch nach innen leben.

Wenn andere Unternehmen sich auch auf diesen New-Work-Weg aufmachen wollen – was sollten sie in jedem Fall tun und was in jedem Fall vermeiden?

Flexible Arbeitsmodelle lassen sich nicht von heute auf morgen nur mit der Einführung moderner Technologie umsetzen. Grundlage muss immer eine mitarbeiterorientierte und offene Unternehmenskultur sein. Dafür müssen sich Unternehmen von dem häufig noch vorherrschenden Kontrollzwang lösen und ihren Mitarbeiter Vertrauen schenken. Vor allem Vorgesetzte müssen umdenken, denn wenn Mitarbeiter immer häufiger flexibel und virtuell zusammenarbeiten, ändern sich die Anforderungen an gute Führung. Unternehmen und insbesondere die HR-Abteilungen müssen es sich zur Aufgabe machen, den Führungskräften durch Weiterbildungen und Coachings die nötige Unterstützung zu bieten. Für unsere Mitarbeiter haben wir dafür einen Leitfaden als Hilfestellung entwickelt, den sogenannten How-to-Guide.

Liebe Frau Dr. Frank, vielen Dank für das Interview, es war mir eine Freude!